Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 78

Michell, Reginald Pryce – Nimzowitsch, AaronMeisterturnier, Marienbad, 4. Juni 1925

1. e4 c5 2. Sf3 Sf6 3. e5 Sd5 4. Sc3! Sxc3 (Sicherer ist 4… e6) (Auch 4… Sb6 kommt in Frage.) 5. dxc3 b6 (Ein Gedanke von "hypermoderner" Kühnheit: er versucht, die eigene Entwicklung künstlich zu verlangsamen, damit der Gegner vorschnell Farbe bekenne, ein äußerst gewagtes Beginnen. Korrekter erschiene 5… d5 zum Beispiel: 6. exd6 exd6 mit haltbarem d-Bauer.) 6. Ld3 (Energischer wäre 6. Lc4 e6 7. Lf4 nebst Qd2 und Rd1 bzw. 0-0-0.) 6… Lb7 7. Lf4 Dc7 Er laviert weiter (vergleiche die Note zum fünften Zuge), behält sich beide Rochaden wie auch alle möglichen Bauernkonfigurationen vor und hofft im übrigen auf gegnerische Unterlassungssünden. 8. Lg3 (8. De2 gefiele uns besser.) 8… e6 9. O-O Le7 10. Sd2! Ein trefflicher Zentralisierungsplan; Nd2-c4-d6 droht nun, die gegnerische Entwicklung zu stören. 10… h5 (Eine entschieden etwas verdächtig wirkende Parade, denn eine Flügeldiversion ist selten stark genug, um eine gegnerische Zentralattacke neutralisieren zu können; in Betracht kam daher wohl eher 10… Sc6) (oder 10… d5) 11. h3 g5 12. Le4? (Weshalb in aller Welt wird Nc4 nebst Nd6+ aufgeschoben? Man prüfe: 12. Sc4 b5 13. Sd6+ Lxd6 14. exd6 Dc6 15. f3 f5? 16. Le5 Tg8 17. De2! und gewinnt ( 17… c4 18. Lxf5 exf5 19. Lf6+ Kf7 20. De7+ Kg6 21. Lxg5 mit siegreichem Angriff)) (Oder 12. Sc4 Sc6 13. Sd6+ Lxd6 14. exd6 Dd8 15. De2 Df6 16. Le4 mit überlegener Zentralstellung.) (Oder schließlich 12. Sc4 Sa6 13. De2 O-O-O 14. Sa5 und Weiß beseitigt den Angriffsläufer b7 und behält die bessere Bauernstellung. - 12. Nc4 wäre also stark gewesen.) 12… Sc6 13. Te1 O-O-O 14. Sc4 Jetzt verpufft dieser Angriff wirkungslos. 14… b5! Schafft der Dame ein Feld auf b6. 15. Sd6+ Lxd6 16. exd6 Db6 17. Lf3 (Damit gibt er den letzten Rest seiner Zentralüberlegenheit aus der Hand. Richtig war 17. Le5 Darauf hätte Schwarz allerdings mittels 17… f5 18. Lxh8 Txh8 19. Ld3 (doch würden wir nach 19. Lxc6 (statt 19. Bd3) 19… Dxc6 20. f3 g4 21. Te5 eher Weiß vorziehen. - Nach dem schwächeren Textzug beherrscht der Flügelangriff das Brett. (oder 21. Te3)) 19… g4 im Trüben fischen können (zum Beispiel: 20. h4 g3 und 21. fxg3 würde wegen 21… c4+ eine Figur kosten),) 17… g4! 18. hxg4 hxg4 19. Lxg4 f5 20. Lf3 Th7 21. Kf1 e5! 22. Lxc6 Gegen die Doppeldrohung e5-e4 und f5-f4 gibt es nichts anderes. 22… Dxc6 23. f3 e4 24. fxe4 Tg8 25. Lf2 fxe4 26. Dd2 drohend Qe3 mit Blockierung. 26… e3! 27. Dxe3 Dxg2+ 28. Ke2 Tf7 Mit der netten Drohung Rxf2+ Qxf2 Re8+ Kd1 und nun zunächst Bf3+ und gewinnt (nicht sofort Qxf2 wegen Re8:#). 29. Kd1 drohend Matt auf e8. 29… Kb8 30. Tg1 Txf2! Entscheidendes Damenopfer! 31. Txg2 Tfxg2 (Noch stärker als 31… Tgxg2) 32. b3 Tg1+ und gewann leicht, Ab hier Fortsetzung laut Webquelle, in der gedruckten Fassung nicht belegt: 33. Kd2 T8g2+ 34. Kd3 Txa1 35. Dxc5 Td1+ 36. Ke3 Te1+ 37. Kd3 (falls 37. Kf4 so 37… Tf1+ 38. Ke3 Tf3+ 39. Kd4 Tg4+ 40. Ke5 Te4#) 37… Le4+ 38. Kd4 Td2+ 39. Ke5 Td5+ 40. Dxd5 Lh1+! Aufgegeben 0–1