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Abtausch: wann sich ein Tausch lohnt

Auf einen Blick

Ein Abtausch heißt: Beide Seiten schlagen nacheinander je eine Figur. Aaron Nimzowitsch warnt in «Mein System» vor eifrigem Tauschen und nennt nur wenige gute Gründe. Ein guter Tausch öffnet etwa eine Linie ohne Zeitverlust, beseitigt einen Verteidiger oder erspart einen Rückzug. So hilft er dir, Zeit zu gewinnen und deinen Plan voranzubringen.

Kurz erklärt

Du schlägst eine gegnerische Figur, und dein Gegner schlägt zurück. Danach fehlt auf beiden Seiten etwa gleich viel Material. Das nennt man einen Abtausch.

Nimzowitsch hält eifriges Tauschen für gefährlich. Er zählt nur wenige Fälle auf, in denen ein Tausch richtig ist; sonst schadet er meist. Beim Meister ergibt sich ein guter Tausch von selbst. Wer Linien besetzt und wichtige Felder beherrscht, bekommt die Gelegenheit ohne Zwang.

Bei jedem Tausch zählt die Zeit. Ziehst du eine Figur mehrmals und tauschst sie dann gegen eine frisch entwickelte, verlierst du Zeit. Umgekehrt gewinnst du Zeit, wenn die zurückschlagende Figur danach schlecht steht und du sie gleich wieder angreifen kannst.

Beginne mit Lektion 15, dort beseitigst du mit einem Tausch einen wichtigen Verteidiger. In Lee gegen Nimzowitsch siehst du einen Abtausch mit anschließendem Zeitgewinn. In Sämisch gegen Nimzowitsch kostet ein Tausch Weiß dagegen Zeit.

Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.

Drei gute Gründe

Erstens: Du tauschst, um eine Linie zu öffnen oder zu besetzen, ohne Zeit zu verlieren. Dein Gegner muss zurückschlagen und hat keine Zeit für eine Gegenmaßnahme.

Zweitens: Du tauschst einen Verteidiger ab. Das kann eine Figur sein, die einen Bauern deckt, oder eine, die wichtige Felder bewacht. Nimzowitsch nennt als Beispiel den Springer auf f6, der den ganzen Königsflügel schützt.

Drittens: Eine deiner Figuren ist angegriffen. Statt sie mit Zeitverlust zurückzuziehen, tauschst du sie gegen eine gegnerische Figur. Das lohnt sich, wenn du die gesparte Zeit gut nutzen kannst.

Liquidieren in der Eröffnung

Schon im ersten Kapitel zeigt Nimzowitsch, wie ein Tausch in der Eröffnung hilft. Droht deine Entwicklung zu stocken, löst du die Spannung in der Mitte durch Tauschen auf. Danach entwickelst du weiter, statt mit Deckungszügen Zeit zu verlieren. Er nennt das Liquidieren.

Wann Tauschen sonst hilft

Wer mehr Material hat, profitiert meist vom Vereinfachen. Wollen beide Seiten dasselbe Feld, kommt es dort oft zu einer ganzen Tauschserie. Schwache Bauern verschwinden gern paarweise; Nimzowitsch vergleicht das mit einem Austausch von Kriegsgefangenen.

Heute heißt der zweite Grund oft Beseitigung des Verteidigers. Ob ein Tausch gut ist, zeigt aber immer die konkrete Stellung. Prüfe vorher, welche Figuren danach übrig bleiben.

Wo du es bei Nimzowitsch findest

  • Mein System: I. Teil, 5. Kapitel - Der Abtausch Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Die wenigen guten Gründe für einen Abtausch und wie Tauschserien entstehen.

  • Mein System: I. Teil, 1.4 Abtausch nebst nachfolgendem Tempogewinn Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Ein Abtausch lockt die zurückschlagende Figur auf ein schlechtes Feld, danach folgt der Zeitgewinn.

  • Mein System: I. Teil, 1.5 Das Liquidieren, nachfolgende Entwicklung oder nachfolgende Befreiung Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Das Liquidieren: Tauschen, um die Spannung in der Mitte aufzulösen und sich weiter zu entwickeln.

  • Mein System: I. Teil, Partie-Beispiele zu den ersten drei Kapiteln (Originaltext)

    Partien zu den ersten drei Kapiteln, darunter Lee gegen Nimzowitsch und Sämisch gegen Nimzowitsch.