Fachlich geprüft am 2. November 2026: Quellen und Sprache. So prüfen wir

Elastizität: beweglich bleiben statt erstarren

Auf einen Blick

Elastizität ist die Beweglichkeit einer Figur oder Stellung, die sich mehrere Möglichkeiten offenhält. Aaron Nimzowitsch braucht das Wort vor allem für den Blockeur, die Figur vor einem gegnerischen Bauern. Sie hält ihn auf und darf trotzdem wegziehen. Auch ein Zentrum nennt er elastisch. Am Brett hilft dir die Idee, nicht starr an einem Plan festzuhalten.

Kurz erklärt

Stell dir einen Springer vor, der in der Brettmitte einen gegnerischen Bauern aufhält. Er steht fest auf seinem Feld. Trotzdem kann er bei Bedarf auf einen Flügel springen und später zurückkehren. Diese Spannkraft nennt Nimzowitsch Elastizität.

Ein Blockeur hat für Nimzowitsch drei Aufgaben: blockieren, von seinem Feld aus drohen und elastisch bleiben. Er darf seinen Posten verlassen, wenn sich der Ausflug lohnt oder wenn er rechtzeitig zurückkommt. Er darf auch gehen, wenn eine Figur, die ihn deckt, die Blockade übernimmt.

Wie elastisch ein Blockeur ist, hängt vom Bauern ab. Ist der Bauer schon weit vorgerückt, darf der Blockeur kaum weg. Am meisten Spielraum hat ein Blockeur vor einem Bauern in der Brettmitte. Nimzowitsch rät, zuerst die Blockade gut zu stützen, denn die Elastizität kommt dann oft von selbst.

Elastisch nennt Nimzowitsch auch ein Zentrum, das reich an Möglichkeiten ist. Eine Seite kann dort später mit verschiedenen Bauern vorstoßen und wählt den passenden Moment. Er zeigt das an einer Partie von Louis Paulsen. In «Mein System» steht das elastische Zentrum an erster Stelle seiner revolutionären Thesen.

Beginne mit Lektion 33. Dort blockiert ein Turm einen Bauern und bleibt doch bereit für eine andere Aufgabe. In der Partie gegen Ahues gibt Nimzowitsch gewonnenes Material zurück und bekommt dafür einen starken Springer auf e6. Auch das nennt er elastisch spielen.

Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.

Elastisch verteidigen

In seinem Aufsatz «Das Problem der Verteidigung» warnt Nimzowitsch vor einer starren Verteidigungslinie. Wer hinter einer festen Bauernmauer nur seine Figuren hin und her schiebt, verteidigt sich schlecht. Besser ist eine bewegliche Bauernfront. Sie rückt vor oder zieht sich durch einen Tausch zusammen, und die Figuren stellen sich schnell darauf ein.

Als Meister dieser Kunst nennt er Louis Paulsen und Emanuel Lasker. Gerade eine eingeengte Stellung lässt sich nach seiner Ansicht oft nur so verteidigen.

Elastisch in der Eröffnung

In «Die Praxis meines Systems» beschreibt Nimzowitsch eine elastische Eröffnungsbehandlung. Dabei hält eine Seite offen, welche Eröffnung entsteht, und geht später von einer in die andere über. Kritiker seiner Zeit sahen darin fehlenden Mut. Für Nimzowitsch ist es das Lavieren, übertragen auf die Eröffnung.

Heute betrachtet

Heute spricht man meist von Flexibilität. Ein flexibler Zug hält mehrere Pläne offen und verrät dem Gegner noch nicht, was du vorhast. Viele Eröffnungen leben heute davon, dass eine Seite in ein anderes System übergehen kann.

Elastizität ist aber kein Ziel für sich. Irgendwann musst du dich für einen Plan entscheiden. Auch ein elastischer Blockeur darf nur gehen, wenn der Bauer dann nicht durchbricht.

Wo du es bei Nimzowitsch findest

  • Mein System: I. Teil, 4.3 Der Blockeur im Haupt- und Nebenberuf (Originaltext)

    Die Aufgaben des Blockeurs neben dem Blockieren, der Begriff der Elastizität und wann ein Blockeur seinen Posten verlassen darf.

  • Die Blockade: Abschnitt XI Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Nimzowitsch gegen Nilsson: Ein Turm blockiert einen Bauern und bleibt doch bereit, auf eine andere Linie zu wechseln.

  • Mein System: Nachtrag, 2. Die revolutionären Thesen Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Die drei revolutionären Thesen, an erster Stelle das elastische Zentrum.

  • Aufsätze: Das neue System Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Aufsatz mit Nimzowitschs ersten Gesetzen zum Zentrum und einer Partie von Paulsen mit elastischem Zentrum.

  • Aufsätze: Das Problem der Verteidigung. Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Aufsatz nach seiner Schweizer Reise 1931: Eine bewegliche Bauernfront verteidigt besser als eine starre Linie.

  • Die Praxis meines Systems: 6.2 Die „elastische“ Eröffnungsbehandlung (Übergang aus einer Eröffnung in die andere) Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Die elastische Eröffnungsbehandlung: der Übergang von einer Eröffnung in eine andere als Lavieren in der Eröffnung.