Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 107

Fluß, Georg – Nimzowitsch, AaronFernpartie (1912-1913), 1913

Nach den einleitenden Zügen 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 Sf6 4. Lc4 Lc5 5. d3 d6 6. Lg5 h6 7. Lh4 g5 8. Lg3 Lg4 wählte Weiß das Manöver 9. h3 (auf sofortiges 9. h4 wäre 9… Sh5 stark gewesen, zum Beispiel: 10. hxg5 Sxg3! 11. fxg3 Sd4 12. Sd5 Lxf3 13. gxf3 Dxg5! und gewinnt ( 14. g4 c6 15. Th5 cxd5!! usw.)) 9… Lh5 10. h4 g4 11. Sd2 a6 Ein Wartezug, der aber auch zu gleicher Zeit gelegentliches Bb5 vereiteln soll. 12. Sd5 Sxd5 13. Lxd5 Se7! Ein Bauernopfer mit einer recht ungewöhnlichen Pointe. 14. Lxb7 Ta7 15. Ld5 f5 16. f4 (Die Pointe wäre bei der natürlichen Fortsetzung 16. Le6 f4 17. Lh2 zutage getreten. Schwarz hätte nämlich auf den Radauzug 17. ... Bxf2!? verzichtet und sich vielmehr zu dem durch seine Bescheidenheit bestechenden Deckungszuge Ng6 entschlossen. Nach 17… Lxf2+? 18. Kf1 Le3 19. Sc4 Sg6 (anders ist der wichtige g-Bauer nicht zu decken) 20. Lg1!! Lxg1 21. Lxg4! wäre Weiß im Vorteil.) (Dagegen wäre 16. Le6 f4 17. Lh2 Sg6! (um 18. Bxg4? durch Qxh4 zu beantworten; man beachte, dass der Springer auf g6 das Eventualschach nach den Zügen 18. Bxg4? Qxh4 19. Bxh5 unterbindet) von großer Wirkung, zum Beispiel: 18. g3 (um h4 zu decken) 18… f3 mit ausgesperrtem Bh2.) (Oder 16. Le6 f4 17. Lh2 Sg6 18. Lg1 f3 19. gxf3 gxf3 nebst Nf4 mit schwarzem Vorteil. Wir halten die Verzicht-Kombination 17. ... Ng6 (und nicht 17. ... Bxf2+) für eine im Sinne der vorangegangenen Besprechung äußerst bezeichnende.) (In Betracht kam statt 16. Be6 auch 16. De2 . Darauf wäre gefolgt: 16… Sxd5 17. exd5 Da8 18. c4 (am besten, nicht 18. Lxe5 wegen 18… O-O!) 18… c6 19. dxc6 Dxc6 und Schwarz, der u. a. einen recht beweglichen Damenturm hat - man beachte die Möglichkeiten Ra7-e7 bzw. Ra7-g7 - dürfte entschieden im Vorteil sein. - Auch der in der Partie gewählte Zug 17. f4 hat seine Schattenseiten.) 16… gxf3 17. gxf3 Sxd5 18. exd5 Tg8 19. Sf1 (Auf 19. Lf2 würde folgen 19… Lxf2+ 20. Kxf2 c6!! ein Zug, der der Dame d8 und gleichzeitig dem Turm a7 zu einer furchtbaren Agilität verhilft. Zum Beispiel: 21. dxc6 Db6+ 22. Kf1 Tag7 nebst Matt in wenigen Zügen.) 19… Db8! (Viel stärker als 19… e4 worauf 20. Dd2 drohend Qxh6 und eventuell e6+ die Folge wäre.) 20. d4 (Ein letzter Rettungsversuch, sonst, zum Beispiel: nach 20. b3 Db4+ 21. Ke2 e4) (oder 20. Tb1 Tb7! 21. b3 fehlt zwar das tödliche Schach auf b4, aber von ähnlicher Wirkung erweist sich 21… Lb4+ 22. Kf2 Da7+ 23. d4 Lc3! und gewinnt!) 20… Lxd4 21. c3 Eine Art Evans-Gambit; falls nun Bc5, so b2-b4!, aber 21… Dxb2!! Eine elegante Schlusskombination. 22. cxd4 Dc3+ 23. Kf2 Tb7! Dagegen ist kein Kraut gewachsen. 24. Tc1 (Oder 24. Th2 mit ähnlichem Verlauf.) 24… Tb2+ 25. Kg1 Txg3+ Aufgegeben. (Denn es folgt nach 25… Txg3+ 26. Sxg3 De3+ und Matt auf f2. Dasselbe Opfer wäre auch bei Rh2 (statt Rc1) erfolgt, nach Qe3+ hätte Weiß zwar noch Kh1, was aber wegen Bxf3+ nichts genutzt hätte.) 0–1