Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 61

Nimzowitsch, Aaron – Jacobsen, EgilInternationales Sechsmeister-Turnier, Kopenhagen, 7. März 1923

1. d4 d5 2. Sf3 Sf6 3. c4 e6 4. Sc3 Le7 5. Lg5 O-O 6. Dc2 Sbd7 7. O-O-O Die einzelnen Züge wie Qc2 und 0-0-0 sind zwar bekannt, und doch enthält der weiße Spielplan, als Ganzes betrachtet, eine neue Nuance, vergleiche die Note zum 9. Zuge 7… c5 8. dxc5 Sxc5 9. e3 schlecht wäre der hier mögliche Bauerngewinn. Nun aber erwartet man 9. ... Qa5 mit ziemlich leichter Angriffsentwicklung gegen die etwas leichtsinnig wirkende lange Rochade. Dieser Angriff ist schon häufig zum Siege geführt worden, beispielsweise in der klassischen Partie Rotlevi-Teichmann 1911: 1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. c4 e6 4.Nc3 Be7 5. Bg5 Nbd7 6. e3 0-0 7. Qc2 c5 8. 0-0-0 Qa5 9. cxd5 exd5 10. dxc5 Nxc5 11. Nd4 Be6 12. Kb1 Rae8 13. Bd3 h6 14. Bxf6 Bxf6 15. Bf5 Rad8, und Schwarz hatte das bequemere Spiel. Indes ermöglicht die von mir gewählte Zugumstellung ein Hinausschieben des nur für Schwarz angenehmen c4xd5, und durch diese Nuance werden die weißen Chancen nicht unbeträchtlich verstärkt! 9… Ld7 (falls 9… Da5 , so zunächst 10. Kb1) 10. Kb1 Sfe4 11. Sxe4 Sxe4? (richtig war 11… dxe4) 12. Lxe7 Dxe7 13. Ld3 Sf6 14. cxd5 exd5 15. Sd4 nun ist er da, der Isolan! 15… Tfc8 16. Db3 b5 17. f3 um g4 zu spielen. Der weiße zentralisierte Aufbau verträgt die geringfügige Schwächung auf e3. 17… g6 18. The1 b4 (ermöglicht einen gegnerischen Ausfall, der zu einer zeitweiligen Eroberung der c-Linie führt, besser war daher jedenfalls 18… Tab8) 19. La6! Tcb8 20. g4 Tb6 21. Lf1 Le6 angenehm für Weiß, denn nun ist die Angriffsrichtung e7-e5 unterbrochen, aber der Isolani bedurfte bereits einer direkten Schutzmaßnahme. 22. Tc1 a5 23. a4! Sd7 24. Lb5 Sc5 25. Dc2 Tc8 26. h4 Tbb8 27. Dh2 (durch 27. Sc6 war hier sofortiger Qualitätsgewinn zu erzielen) 27… Dc7 28. Dxc7? (Weiß war in der Schrägen der stärkere: Besetzung des Diagonalvorpostens f4 hätte leicht gewonnen, zum Beispiel: 28. Df4 Dxf4 29. exf4 und f4-f5 ist nicht mehr abzuwehren.) 28… Txc7 29. Sc6 Txb5? (Ein schwerer Fehler, 29… Txc6 war angezeigt. Nach 30. Lxc6 Sd3 31. Lb5 Sxe1 32. Txe1 f5 33. g5 Tc8 34. Tc1 Kf7 35. Txc8 Lxc8 36. Kc2 Ke6 37. Kd3 Ke5! 38. f4+ Kd6 39. Kd4 hätte Weiß nichts ausrichten können. Bei Stellungen des Bauern auf f3 statt auf f4 hätte Weiß dagegen noch einige Versuche machen können, die aber schließlich doch an der Schwäche des eigenen Bauern a4 scheitern würden. Dass aber die Königsstellung auf d6 die feindliche auf d4 nicht unbedingt zu neutralisieren braucht, möchten wir an Hand des folgenden, dem Textspiel ganz ähnlichen Läuferendspiels demonstrieren: Weiß Kd4 Be8 Bauern b4 e3 f3 g5 h4 Schwarz: Kd6 Be6 Bauern b6 d5 f5 g6 h7. Es geschieht: 1. h5 gxh5 2. Bxh5 Bg8 3. Be8 Be6 4. Bb5 Bf7 5. Bd3 Be6 6. e4 fxe4 7. fxe4 dxe4 8. Bxe4 Bg8 9. Bd3 und der schwarze König muss das Tor freigeben. Dies als Beweis für die von uns in der Vorbesprechung hervorgehobene Komplexschwäche der dem Isolani benachbarten Felder (hier c5 und namentlich e5). Wir kehren nun zur Partie zurück.) 30. axb5 Sd3 31. Sxa5! Ta7 32. Sc6 Tb7 33. Sd4 Sxe1 (33… Ld7 34. Ted1 führt zur Textfortsetzung.) 34. Txe1 Ld7 35. Tc1 Lxb5 36. Tc5 Ld7 Ein Bauer geht immer verloren. 37. Txd5 Kf8 38. Kc2 b3+ 39. Kc3 Ke7 40. h5 Le6 41. Tc5 Kd6 42. Tc6+ Kd7 43. hxg6 hxg6 44. Sxe6! fxe6 45. Tc5 Kd6 46. Tg5 Tg7 47. f4 und gewann Ab hier Fortsetzung laut Webquelle, in der gedruckten Fassung nicht belegt: 47… Tg8 48. Kxb3 Ke7 49. Kc4 Tc8+ 50. Tc5 Th8 51. Tc7+ Kf6 52. e4 g5 53. e5+ Kg6 54. f5+ exf5 55. Tc6+ Kg7 56. gxf5 Th2 57. b4 Tc2+ 58. Kd5 Txc6 59. Kxc6 g4 60. e6 g3 61. e7 g2 62. e8=D g1=D 63. Dg6+ 1–0