Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 60
Nach den Zügen 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5 Sfd7 wählte Weiß die Gledhill-Variante 5. Dg4 Es folgte 5… c5 6. Sf3 a6 (die mir wenig geläufige Variante 6… cxd4 7. Sxd4 Sxe5 8. Dg3 wird klüglich vermieden) 7. dxc5 Dc7 8. Dg3 Sxc5 9. Ld3 g6 10. Lf4 Er spielt - freilich unbewusst, denn dies Gesetz war damals noch nicht entdeckt - mein Stratagem der Überdeckung! 10… Sc6 11. O-O Se7 (Er laviert. Auf 11… Lg7 nebst 0-0 wären die Überdecker zu Angriffswirkung gelangt, zum Beispiel: durch Re1 Qh4 Bh6 usw.) 12. Tac1! Geistreiche Präventivmaßnahme gegen das beabsichtigte Nxd3 nebst Nf5. 12… Lg7 13. b4! Um den Läufer ein für allemal zu sichern. Freilich wird der Damenflügel dadurch etwas geschwächt. 13… Sd7 14. Se2 O-O 15. Sed4 Sc6 16. Sxc6 bxc6 17. c4 (Falls nun das naheliegende 17. c4 Db8 so 18. cxd5 cxd5 19. a3 und Weiß hat freie Hand zum Spiel am Königsflügel, zum Beispiel: 19… Lb7 20. h4 h5 21. Tce1 (Überdeckung) und Weiß droht sowohl mit 22. Nd4 nebst Nxe6 als auch mit 22. Qh3 nebst g4. Man beachte die ungezwungene Eleganz, mit der die Überdecker plötzlich aktiv wurden.) (Nun entsteht aber folgende Frage: war die durch 17. c4 eingeleitete Sicherungs- und Entlastungsaktion - denn nach 17. c4 Qb8 18. cxd5 usw. erwies sich der weiße Damenflügel als entlastet - wirklich unerlässlich? Wäre es nicht denkbar gewesen, alle Brücken hinter sich abzubrechen (Nämlich durch 17. Tfe1 )? Die Folge könnte sein 17… a5 18. c3 axb4 19. cxb4 Db6 (19… Txa2? 20. Sd4!) 20. h4 Dxb4 21. h5 Falls nun 21… Txa2 22. hxg6 fxg6 so 23. Le3 Nach dem Qualitätsopfer 23… Txf3! 24. gxf3 Sxe5 25. Lc5 Dh4! dürfte Schwarz aber doch gewinnen können. Bogoljubow tat also recht daran, auf eine rücksichtslose Durchführung des Königsangriffs zu verzichten.) 17… dxc4!! Ein heroisches Mittel, das in einem Bauernopfer gipfelt. Was nun folgt, ist ein mächtiges Duell zwischen ... den zwei Spielern? Nein, zwischen der Zentralisierung und der Überdeckung. Frau Überdeckung unterliegt diesmal. 18. Lxc4 Db8 19. Tb1 Sb6 20. Sd2 Ein Antiüberdeckungszug! 20… Td8 21. Tfc1 Sd5! (Die Zentralisierung! Auf 21… Sd5 22. Lxd5 soll der Turm wiedernehmen, zum Beispiel: 22… Txd5 23. Txc6 Lb7 24. Td6 und nun 24… Dc7 drohend Qc2; das Spiel stände dann annähernd gleich;) (möglich wäre auch die Fortsetzung 21… Sd5 22. Lxd5 Txd5 23. Txc6 Lxe5 (statt Bb7), zum Beispiel: 24. Lxe5 (falls 24. Txc8+ so späteres Qc2) 24… Dxe5 25. Dxe5 Txe5 26. Sc4 Te2 27. Sb6 Lb7 28. Tc7 Tb8 29. Sd7 Td8 30. Txb7 Td2 mit Ausgleich.) 22. Te1? (Richtig war 22. Lxd5 wie in der vorigen Note gezeigt. Nach dem Textzug geht es mächtig bergab.) 22… Sxf4 23. Dxf4 Lxe5! 24. Txe5 Txd2 25. Dg5? (Widerstand wäre noch durch 25. Dxd2 Dxe5 26. Dd8+ zu leisten gewesen.) 25… Dd6 26. Tbe1 Dd4 Fortdauernde Zentralisierung. 27. Lf1 Dxf2+ 28. Kh1 f6 29. De3 fxe5 Aufgegeben. 0–1