Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 76
Nach äußerst zähem Verteidigungsspiel seitens meines jugendlichen Gegners war ein anscheinend völlig ausgeglichenes Endspiel entstanden. 1. b3 d5 2. Lb2 Lf5 3. e3 e6 4. f4 Sf6 5. Sf3 Sbd7 6. g3 Ld6 7. Lg2 De7 8. O-O e5! mit köstlicher Unbefangenheit gespielt! 9. fxe5 Sxe5 10. Sxe5 Lxe5 11. d4 Lg4 12. Dd3 Ld6 13. c4 c6 14. cxd5 cxd5 15. Sc3 Le6 16. Db5+ Dd7 17. e4 (besser wäre zunächst 17. Dxd7+ Kxd7 und dann erst 18. e4) 17… dxe4 18. Dxd7+ Lxd7 denn nun braucht er seinen König nicht zu bemühen 19. Sxe4 Sxe4 20. Lxe4 Tb8 21. Ld5 O-O 22. Kg2! Präventivzug gegen Bh3 mit Einengung 22… b6 23. Tac1 Tbc8 (Spiel in der e-Linie erschiene eher angezeigt, zum Beispiel: 23… Tbe8 nebst Be6 und Re7) 24. Txc8! Lxc8 25. Lc6! d4-d5 soll nachfolgen, Bauer d5 und Bc6 würden dann ein nettes Kleeblatt bilden 25… Td8 26. Tc1 Kf8 27. d5 La6 28. Te1 f6 29. Te4 Lc8 30. Ta4 a6 31. Lc3 Kf7 32. Le1 h6 33. b4 Lc7 34. b5 a5 nun steht der Bc6 zwar eisenfest da, aber etwas eingesperrt wirkt er andererseits doch 35. Lf2 Kf8 36. Te4 Kf7 37. Tc4 Lf5 38. g4 Lb1 39. a3 La2 40. Td4 Lb3 41. Td2 a4 42. Kf3 g6 43. Ke4 Die schwarzen Schwächen bestehen hier weniger in Bauern- als vielmehr in Punktschwächen. Die letzteren liegen fast ausnahmslos in der e-Linie, und zwar könnte Weiß entweder den Punkt e6 oder aber Punkt e5 zu erobern trachten, zum Beispiel: Bg3, Läufertausch, dann Kd4 und schließlich Rd2-e2-e6. Oder h2-h4 und g4-g5; nach h6xg5, hxg5 f5+ folgt Kf3 nebst Bf2-e3-f4, Läufertausch und Ke5. In der Partie geschah: 43… h5 (Er findet nicht den rechten Plan. 43… g5! sollte geschehen sein, dann wäre der Anschlag gegen Punkt e5 im Keime erstickt, der Angriff gegen e6 aber ließe sich wie folgt abwehren: 44. Lg3 Ld6 45. Lxd6 Txd6 46. Kd4 Kf8 47. Te2 Kf7 und Weiß kommt nicht weiter 48. Te8? Txc6!) (Falls Weiß nach 43… g5! den Versuch 44. Ld4 unternimmt, so geschieht einfach 44… Lc4 45. Tf2 Td6 ( 46. Le5? Txc6 ). - Der Gewinn ist eben nach 43. ... g5 ein Ding der Unmöglichkeit; Weiß hat einen Läufer weniger im Spiel, und Bauer d5 ist schutzbedürftig, in der e-Linie ist er freilich stark, aber dies allein genügt noch nicht zum Gewinn!) 44. gxh5 f5+ (Nach 44… gxh5 würde die oben angedeutete Methode nun viel eher zum Ziele führen, denn h5 wäre dann unsere "zweite" Schwäche, zum Beispiel: 45. Lg3 Ld6 46. Lxd6 Txd6 47. Kd4 Kf8 48. Te2 Kf7 und nun 49. Te3! , zum Beispiel: 49… Ld1 50. Le8+ Kf8 51. Lg6 Lb3 52. Te8+ nebst Be4 mit Gewinnspiel.) 45. Kf3 g5 (Oder 45… gxh5 46. Lh4 Td6 47. Lg3 f4 48. Lxf4 Tf6 49. d6) 46. Lg3 Ld6 (Falls 46… f4 so natürlich 47. Lf2 nebst h4 usw.) 47. Lxd6 Txd6 48. Kg3 Kg7 49. h4 Kh6 50. hxg5+ Kxg5 51. Kf3 Kxh5 52. Kf4 und gewann. Ab hier Fortsetzung laut Webquelle, in der gedruckten Fassung nicht belegt: 52… Kg6 53. Ke5 Td8 54. d6 Kf7 55. Tf2 Le6 56. Tf4 usw. 1–0