Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 81
1. d4 Sf6 2. Sf3 e6 3. c4 b6 4. Sc3 Lb7 5. Dc2 Lb4 6. a3 (dieser Zug sieht einem Tempoverlust nicht unähnlich, weshalb nicht stattdessen 6. g3) 6… Lxc3+ 7. Dxc3 d6! (besser als sofortiges 7… Se4 zum Beispiel 8. Dc2 d6 9. g3 Sd7 10. Lg2 und Schwarz wäre mit Rücksicht auf das drohende Ng5 zu dem wenig einladenden Deckungszuge 10… Tb8 gezwungen: der Übergang [zum "zweiten" Eröffnungsaufbau] darf eben nicht allzu plötzlich erfolgen!) 8. g3 Sbd7 9. Lg2 De7 10. O-O O-O 11. b4 Se4 Erst jetzt zeitgemäß! 12. Dc2 f5 13. Sg5 Sdf6 14. Sxe4 (Vorzuziehen wäre 14. f3 Sxg5 15. Lxg5 e5! 16. e3 mit Remischancen.) 14… Lxe4 15. Lxe4 Sxe4 16. f3 Sf6 17. Lb2 Tf7! (nicht aber 17… a5 zum Beispiel: 18. Lc3 und Schwarz hätte sich nur unnötigerweise engagiert.) 18. Tac1 (Richtig war 18. Tf2) 18… Taf8 19. Dd3 h5 20. e4? (Wenn dies ginge, dann wäre der schwarze Präventivaufbau (Rf7 und Rf8) zwecklos gewesen. Aber der Zug geht eben nicht, denn die f-Linie, die er frohgemut öffnet, verschlingt ihn selbst mit Haut und Haaren. Etwas besser erscheint 20. e3 doch bliebe Weiß auch hierbei im Nachteil, zum Beispiel: 20… h4 21. Kg2 Sh5) 20… fxe4 21. fxe4 Sg4 Die in der vorigen Note freundlichst in Aussicht gestellte Exekution nimmt ihren Anfang: 22. h3 Sf2 23. De2 Sxh3+ 24. Kh1 Dg5 25. Txf7 Txf7 26. Dg2 Sf2+ 27. Kg1 De3 und Weiß gab auf. Die Partie als Ganzes begreifen zu wollen, heißt den logischen Zusammenhang zwischen der schwarzen Warte- und Angriffsstrategie erfassen: all die schwarzen Wartezüge (7., 17. und 18. Zug) waren gewissermaßen nur deswegen erfolgt, damit der Kraftzug (19. h5) wuchtig wirkte. So gesehen, wird die enorme Wirkungskraft des 19. Zuges begreiflich. Ein Sieg der auf das Eröffnungsgebiet übertragenen Lavierungsstrategie. 0–1