Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 17
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Dc2 d6 (Möglich ist an dieser Stelle auch 4… b6 zum Beispiel: 5. e4 Lxc3+ 6. bxc3 d6 7. f4 und nun 7… Sbd7 in der Folge entwickelt Schwarz dann seine Figuren mittels Nbc6 (evtl. weiter Na5) Bb7 c5 (niemals e5) Qc7 und 0-0-0 und hat wohl ein widerstandsfähiges Spiel.) 5. Lg5 Sbd7 6. a3 (Tempoverlust. Am besten erscheint statt dessen 6. e3 zum Beispiel: 6… b6 7. Ld3 Lb7 8. f3) 6… Lxc3+ 7. Dxc3 h6 8. Lh4 b6 (Sehr gut wäre auch 8… O-O denn falls darauf 9. f3 (wie in der Partie), so einfach 9… d5 usw.) 9. f3 Lb7 10. e4 Sxe4 Übermut! (Der weiße Aufbau hat höchstens passiven Wert, denn nach etwa 10… e5 11. Lf2 c5 12. d5 (oder 12. dxc5 dxc5 nebst Qe7 und Nd7-b8-c6-d4) 12… g5 sind die zwei Läufer ganz ungefährlich; allerdings wird auch der schwarze Angriff kaum durchdringen können.) 11. Lxd8 Sxc3 12. Lh4! (Weniger gut wäre 12. Lxc7 Ke7 13. bxc3 Thc8 14. Lxd6+ Kxd6 denn der weiße c-Bauer ist gegen den Aufbau Rc7 Rac8 gefolgt von Nb8! nebst Ba6 unhaltbar. Nun aber (nach 12. Bh4!) muss Schwarz eine Figur hergeben.) 12… Sa4 An dieser Stelle dachte der Führer der schwarzen Steine an den amerikanischen Wahlspruch: to make the best of it! Nicht verzweifeln, in den schlimmsten Lagen die relativ beste Chance finden! Den Gewinn nach Möglichkeit erschweren. So denkt der Amerikaner, und diese Denkweise ist so übel nicht! Das zeigt sich auch in dieser Partie. 13. b3 c5! 14. bxa4? (Schwach. Gegeben war 14. d5 Allerdings hätte Schwarz auch in diesem Falle vermittels 14… exd5 15. bxa4 dxc4 16. Lxc4 d5 17. Lb5! g5! 18. Lg3 O-O-O eine keineswegs leicht zu erschütternde Abwehrstellung eingenommen. Nach dem Textzuge gerät Weiß aber geradezu in Nachteil.) 14… cxd4 15. Se2 e5 16. Sc1 Sc5 Schwarz hat nun bei starker Stellung zwei Bauern für die Figur und die sichere Anwartschaft auf die Eroberung weiterer zwei Bauern, ist also bereits im Vorteil. 17. a5 bxa5 Dieser Bauer a5 hilft wichtige Punkte decken, ist also in seiner Bedeutung durchaus nicht gering zu werten. 18. Sd3 Sd7 Der richtige Rückzug, der auch e5 im Auge behält, zum Beispiel: 19. c5? de! und Bauer e5 ist gedeckt. (Schlecht wäre demgemäß 18… Se6 denn nun wäre die Antwort 19. c5 Sxc5 20. Sxc5 dxc5 21. Lb5+ mit offenem Spiel für den Nachziehenden unangenehm geworden.) 19. Le2 La6 20. O-O Lxc4 21. Le1 a4 22. Lb4 d5 23. Tfe1 f6 Opferkombinationen auf e5 müssen unterbunden werden. 24. Sb2 Lxe2 25. Txe2 Kf7 (Es konnte auch 25… Tc8 26. Sxa4 Kf7 geschehen, aber ich wollte ihm die c-Linie geben, damit mein Zentrum um so schneller vorrücken könne. Der Verlauf der Partie gab mir recht.) 26. Tc1 Sb6 27. Tc7+ Kg6 28. Tec2 e4! Siehe vorige Anmerkung. 29. T2c6 d3 30. Te6 The8! 31. Txe8 Txe8 32. Kf1 (32. Txa7? Tc8!) 32… h5 Ein Tastversuch. Neue Schwächen sollen provoziert werden. 33. h3 Wahrscheinlich war Schwarz doch in der Lage, diesen Zug auf die Dauer zu erzwingen (vermittels des Drohspiels h5-h4-h3); aber ohne Kampf hätte Weiß sich dazu doch nicht verstehen sollen. Denn nun entsteht auf g3 ein furchtbares Loch. 33… h4! 34. Kg1 Kf5 35. Kf2 e3+ 36. Kf1 d2 37. Ke2 d4 38. Sd3 Damit ist ein nur scheinbarer Blockadezustand erreicht; durch das nachfolgende Springermanöver wird er illusorisch gemacht. 38… Sd5! 39. Tc5 (Auf 39. Tc4 entscheidet 39… Sxb4 40. Sxb4 (40. Txb4? Tc8!) 40… Td8 41. Sd3 Tb8 42. Tb4 Txb4 43. Sxb4 Kf4 und Kg3.) 39… Td8 40. La5 Td7 41. Tc4 Sf4+ 42. Sxf4 Kxf4 43. Lc3 (Oder 43. Lc7+ Kf5 usw.) 43… Kg3 44. Txd4 Txd4 45. Lxd4 Kxg2 46. Lxe3 Kxh3 47. Lxd2 Kg2 0–1