Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 16

Nimzowitsch, Aaron – Romi, MassimilianoFreie Partie, London, 28. November 1927

Nach den Zügen 1. d4 d5 2. c4 e6 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Sbd7 5. e3 c6 6. cxd5 exd5 7. Ld3 Ld6 (besser wäre 7… Le7) 8. Dc2 h6 9. Lh4 litt der Nachziehende an schwerer "Rochade-Not". Damit meinen wir, dass in der gegebenen Situation die kurze Rochade allzu gefährdet, die lange aber schwer vorzubereiten ist. Unter diesen Umständen muss die von Romih gewählte Lavierungsstrategie (er behält sich beide Rochaden vor) als durchaus sachgemäß angesprochen werden. 9… Da5 10. O-O-O Lb4 11. Sge2 Le7 Kunstgerechtes Lavieren! Schwarz wollte den weißen Königsspringer von der Route g1-f3-e5 weglenken. Jedenfalls ein feines Manöver, das mehr echtes Schachgefühl verrät als mancher noch so bravourös durchgeführte Husarenangriff. 12. Kb1 Sf8! 13. h3 Um den Läufer gegebenenfalls nach g3 zurückziehen zu können, ohne Nh5 fürchten zu müssen. 13… Le6 14. f3 a6 15. a3 (Die Einleitung eines nachhaltigen Angriffs macht hier Schwierigkeiten, zum Beispiel: 15. e4? Sxe4! 16. Lxe7 Sxc3+ nebst Kxe7.) 15… Ld7 Damit wird die Exkursion Nf8-e6-c7-b5 geplant. 16. Lxf6! Lxf6 17. e4 Se6 18. e5 Le7 19. f4 Das mobile Bauernzentrum. 19… Sc7 20. f5 Sb5 21. Thf1 Der Kontakt wird hergestellt, vergleiche unsere Vorbesprechung. 21… Db6 (Auf 21… Lxa3 wollte ich 22. Lxb5 axb5 23. bxa3 Dxa3 24. Da2 spielen, was ohne vorhergegangenes 21. Rh1-f1 nun an Bxf5+ scheitern würde. Der Kontakt macht sich also bereits bemerkbar.) (Besser als der Textzug wäre übrigens der Abtausch auf c3 nebst 0-0-0, zum Beispiel: 21… Sxc3+ 22. Sxc3 O-O-O 23. Sa4 Kb8 24. b4 Dc7 25. Ka2 und der weiße Angriff wäre nicht leicht zu führen.) 22. Lxb5! axb5 23. Sf4 b4 24. Scxd5 Die Pointe. 24… cxd5 (Oder 24… b3 25. De4 mit starkem Angriff.) 25. Sxd5 Da5 26. Sc7+ Kd8 27. Sxa8 Dxa8 (Erzwungen, denn auf 27… bxa3 28. d5 axb2 würde bereits die Abwicklung 29. Dc7+ Dxc7 30. Sxc7 Kxc7 31. d6+ entscheiden.) 28. d5 Dc8 29. De4 Diese zentrale Placierung erhöht den Bewegungswert der weißen Zentralbauern nicht unerheblich. 29… Te8 30. Tc1 Db8 31. e6! Auf d6 entsteht nun scheinbar ein toter Punkt, über den die Bauern nicht hinweg können. Ja, wenn die Zentraldame nicht wäre! Sie ist aber da ... und das Hindernis wird spielend genommen. 31… Lb5 32. Dd4 drohend Qb6+ 32… b6 33. d6! Lf6 (Falls nun 33… Dxd6 so 34. Tfd1! und gewinnt.) (Falls aber 33… Lxd6 so 34. Tfd1 Ke7 35. Dxg7 Tf8 36. Dxh6 mit schneller Entscheidung. Man beachte, dass die Dame von d4 aus sowohl nach b6 als auch nach g7 hin gewirkt hat; die übliche Folgeerscheinung der Zentralisierung.) 34. e7+ Kd7 35. Dd5 Lxf1 36. Dc6# 1–0