Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 15
1. e4 Sf6 2. Sc3 d5 3. e5 Sfd7 4. f4 e6 5. Sf3 c5 6. g3 Sc6 7. Lg2 Der Königsflügel des Nachziehenden erscheint etwas eingeklemmt, dafür aber ist sein Zentrum um so beweglicher. 7… Le7 8. O-O O-O 9. d3 Sb6 (Schlecht wäre 9… d4 wegen 10. Se4 mit Zentralisierung) (dagegen kam 9… f6 stark in Betracht, zum Beispiel: 10. exf6 Lxf6 und Schwarz kontrolliert das Zentrum.) 10. Se2! d4!? (Schwarz will den weißen Springerzug als Fehler markieren, denn nun kann der Springer ja nicht mehr nach e4. Dies ist aber ein Irrtum, und daher wäre d5-d4 viel besser durch f7-f6 zu ersetzen gewesen, zum Beispiel: 10… f6 11. exf6 Lxf6 12. c3 e5 13. fxe5 Sxe5 und Schwarz steht nicht schlecht.) 11. g4! f6 (Dieser Zug, den Schwarz zweimal unterlassen hat, führt nun - dank der Schwäche von e4 - zu einem für Schwarz wenig ersprießlichen Resultat. Die prophylaktische Verteidigung 11… Te8 12. Sg3 Lf8 13. Se4 Sd5 (mit unterbundenem f4-f5) hätte daher den Vorzug verdient.) 12. exf6 gxf6 (An 12… Lxf6 13. Sg3 e5 14. f5 wäre auch keine rechte Freude zu erleben.) 13. Sg3 Sd5 Schwarz sucht den bedrohten Flügel vom Zentrum aus zu decken, es hätte aber nicht langen sollen. 14. De2 Ld6 15. Sh4 Um Bxd5 nebst Nf5 zu drohen. 15… Sce7 16. Ld2 (Hier war Nh5 schärfer, zum Beispiel: 16. Sh5 Sg6 17. Lxd5 exd5 18. Sf5 mit siegreichem Angriff.) 16… Dc7 17. Df2 (Immer noch war 17. Sh5 vorzuziehen.) 17… c4! 18. dxc4 Se3! Mit dieser geistreichen Diversion weiß Dr. Aljechin den gegnerischen Angriff für einige Zeit zum Stillstand zu bringen. 19. Lxe3 dxe3 20. Df3 Dxc4 Die Position hat sich einigermaßen geklärt: Schwarz hat einen Freibauern, der zwar sehr kränklich, gegen Todesfall aber hoch versichert ist; wir meinen das so, dass die Läuferdiagonalen c6-h1 (nach evtl. Bc8-d7-c6) und c5-g1 den Fall von Bauer e3 kompensieren würden. Wesentlicher als dem zweifelhaften Bauerngewinn nachzujagen wäre es daher für Weiß, den Königsangriff fortzusetzen, und zwar durch den Zug g4-g5. Die Unterlassung dieses Zuges bringt Weiß ins Hintertreffen. 21. Se4 Lc7 22. b3 Dd4 23. c3 Db6 24. Kh1 Weiß hat den gegnerischen Durchstoß lokalisiert. 24… Sd5 (Besser war wohl 24… Ld7) 25. f5 (Hier versäumt er die Gelegenheit zum Zuge g4-g5. 25. g5 hätte gewonnen, zum Beispiel: 25. g5 fxg5 (oder 25… f5 26. Dh5 fxe4 27. Lxe4 usw.) 26. Sxg5 Txf4 27. Dh5) 25… Sf4! 26. Tfd1 Kh8 (Besser war nach H. Wolf 26… e2 27. Td2 Db5 nebst evtl. Qe5.) 27. Lf1 exf5 28. gxf5 Le5 29. Te1 Ld7 Nun geht es genau so wie in der Anmerkung zum 20. Zuge angedeutet: Weiß erobert den Bauern, aber Schwarz erhält Druck auf Grund der zwei schiefen Läufer. 30. Txe3 Lc6 31. Tae1 Sd5 (Mit 31… Tg8 konnte Schwarz den Druck verstärken.) 32. Td3 Sxc3 Hübsch aber unzureichend, allerdings wäre Annahme des Opfers verderblich. [siehe Anmerkung zum nächsten Zug.] (33. Rxc3, Bxc3, Qxc3, Qf2), aber Weiß hat eine wahrlich verblüffende Gegenkombination zur Verfügung. 33. Sg6+ (33. Txc3 Lxc3 34. Dxc3 Df2) 33… hxg6 34. Dg4!! (Die Pointe. Schlecht wäre sofortiges Dreinhauen mittels 34. fxg6 Kg7 35. Dh3 Th8 36. Td7+ Lxd7 37. Dxd7+ Kxg6 und Weiß ist von einem Matt auf h2 bedroht.) 34… Tf7? (Hier war 34… Tg8 geboten. Die Folge wäre: 35. fxg6 Kg7 36. Td7+ Lxd7 37. Dxd7+ Kxg6 38. Ld3! Kh6 39. Dh3+ Kg7 40. Tg1+ Dxg1+! und der Gewinn für Weiß ist noch weit im Felde.) 35. Th3+ Kg7 36. Lc4! Ld5 37. fxg6 Sxe4 38. gxf7+ Kf8 39. Txe4 (Einfacher gewann 39. Dg8+ Ke7 40. f8=D+ Txf8 41. Th7+ Ke8 42. Dxd5) 39… Lxe4+ 40. Dxe4 Ke7 41. f8=D+! Die Expansionslust des Freibauern! 41… Txf8 42. Dd5 Dd6 (42… Dc6 würde nicht zum Damentausch, sondern vielmehr zum Damenverlust führen, nämlich 43. Th7+ Ke8 44. Lb5) 43. Dxb7+ Kd8 44. Td3 Ld4 45. De4 Te8 46. Txd4 1–0