Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 2

Bogoljubow, Efim – Nimzowitsch, AaronInternationales Meisterturnier des British Empire Club, London, 18. Oktober 1927

1. c4 e6 2. Sc3 Sf6 3. e4 c5 4. g3 (In Betracht kam 4. Sf3 Sc6 5. d4 cxd4 6. Sxd4 Lb4 7. Dd3 (von Bogoljubow herrührend).) 4… d5 5. e5 d4 6. exf6 dxc3 7. dxc3 (Gegen 7. bc war wohl nicht viel einzuwenden, zum Beispiel: 7. bxc3 Dxf6 8. d4 cxd4 9. cxd4 Lb4+ 10. Ld2 Dxd4 11. Lxb4 De4+ 12. Le2 Dxh1 13. Dd6 Sc6 14. Lf3 und gewinnt. Indes ist auch der Textzug spielbar, denn die schwarze Bauernmehrheit dürfte wohl kaum zur Entfaltung gelangen können!?) 7… Dxf6! 8. Sf3 (Hier war 8. Lg2 sehr zu erwägen, zum Beispiel: 8… Sc6 9. Se2 e5 10. O-O nebst f4. Der Textzug erschwert die zentrale Auswirkung der Läuferschräge.) 8… h6 9. Lg2 Ld7! 10. Sd2! Damit macht er den Fehler des 8. Zuges einigermaßen wieder gut. 10… Lc6 11. Se4 Dg6 12. De2 Le7 (Nicht 12… f5 wegen der Antwort 13. Lf3 nebst Nd2, und Punkt e5 bliebe dauerhaft geschwächt. Man sieht, dass das Problem, das der Weiße hier lösen soll, ein kombiniertes ist: 1. die schwarze Mehrheit soll gehemmt werden; 2. die zentrale Hegemonie soll dem Weißen zufallen. Dieses - kombinierte - Problem ist in der Tat bis zu einem gewissen Grade lösbar, allerdings nur durch präziseste Ausnutzung der zu Gebote stehenden Kampfmittel.) 13. O-O O-O 14. h4!? (Er negligiert das Zentrum! Warum nicht 14. f4! Falls dann 14… Sd7 , so 15. Ld2 Kh8! 16. Tae1 Sf6 17. Lc1 (mit der Absicht Ne4-d2-f3-e5). Nach dem im 17. Zuge einsetzenden Generalabtausch auf e4 sehen wir dann für den Nachziehenden noch immer keine Möglichkeit, die Bauernmehrheit vorzubringen.) 14… f5 15. Sd2 Lxg2 (Er vermeidet die Falle 15… Lxh4 16. Sf3!) 16. Kxg2 Sc6 17. Sf3 mit der Absicht Bf4. 17… f4 Schiebt einen Riegel vor. Es folgt noch ein letzter Konsolidierungsversuch, und dann bricht das weiße Spiel zusammen. 18. Te1 Tf6 19. De4 fxg3 20. fxg3 Ld6 Die Schwäche von g3, die mangelhafte Entwicklung und die offene Königsstellung - das ist zu viel des Guten, selbst für eine zentralisierte Stellung. - Man versteht nun den Schaden zu würdigen, den h4 angerichtet hat. 21. g4 Dxe4 22. Txe4 Taf8 23. Te3 Tf4 Der weniger geübte Leser beachte hier die "Arbeit" in der Linie. 24. g5 (24. Txe6 Txg4+ 25. Kf2 Se5 führt zum Debakel.) 24… Tg4+ 25. Kh1 (Oder 25. Kf2 Se5 26. Ke2 Tg2+ 27. Kf1 Tg3 mit Figurengewinn.) 25… hxg5 26. hxg5 Kf7 27. Sg1 (Auf 27. g6+ folgt am besten 27… Kf6 (nicht 27… Ke7 wegen 28. Sh2 Th8 29. Te2 Tgh4?? 30. Lg5+)) 27… Th8+ 28. Sh3 Ke7! 29. b3 Lf4 Bei der Königsstellung auf f7 wäre nun die Fesslung durch Rf3 möglich geworden, daher der Königszug. 30. Tf3 Se5 0–1