Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 21
1. Sf3 Sf6 2. e3 d5 3. b3 Lg4 4. Lb2 Sbd7 5. h3 (Dieser Bauernzug lässt eine späterhin zu vollziehende kurze Rochade als wenig wünschenswert erscheinen, verringert somit die weißen Ressourcen. Gut genug war 5. Le2 nebst 0-0.) 5… Lh5 6. d3 h6 7. Sbd2 e6 8. De2 (Auf allfälliges 8. Be2 nebst 9. 0-0 hatte Weiß mit einem Bauernsturm zu rechnen, zum Beispiel: 8. Le2 Ld6 9. O-O De7 10. c4 O-O-O 11. Tc1 g5 in ähnlicher Weise verlor ich im selben Turnier gegen Vidmar.) 8… Lb4 9. g4 Lg6 10. Se5 Sxe5 11. Lxe5 Ld6 12. Sf3 De7 13. Lg2 O-O-O 14. O-O-O Lxe5 15. Sxe5 Lh7 16. c4 Die weiße Stellung wird dadurch lockerer, aber eine Verbindungslinie in der 2. Reihe musste hergestellt werden. 16… Sd7 17. Sxd7 Txd7 18. cxd5 exd5 19. Db2 f5! Durch Präventivmaßnahmen wie 16. c2-c4 und 19. Qe2-b2 hat der Weiße es verstanden, seine Königsstellung zu sichern. Doch sind ihm die Schwächen am anderen Flügel geblieben, es erschien eben unmöglich, nach beiden Seiten hin zugleich prävenieren zu können. So musste Weiß, leider Gottes, f7-f5 über sich ergehen lassen. 20. Td2 Tf8 21. gxf5 Lxf5 22. Thd1 Dg5 23. f4! Dg3 24. De5! Diese unerwartete Zentrierung rettet das Spiel! In die Ehren dieser Rettung hat die "Zentrierung" sich allerdings mit der "Prophylaxe" (= Präventivtaktik) zu teilen, denn Qb2-e5 bildet gewissermaßen eine Fortsetzung von 19. Qe2-b2. 24… Lxh3 (24… c6 25. Tc2 macht die Sache nicht besser.) 25. Lxd5 Dg6 26. Le4 Df6 27. Dxf6 Txf6 28. Tg1 Lf5 29. Tdg2 Die Sache scheint sich programmgemäß entwickeln zu wollen: zuerst die Zentrierung und nun die positionell wohlmotivierte Schwenkung nach dem rechten Flügel. 29… Lxe4 30. dxe4 Td3 31. Txg7 Txe3 32. Tg8+ Die Flügelattacke hat sich zu einem Durchbruch verdichtet. 32… Kd7 33. T1g7+ Kc6 34. Tg6 Td6 Auch dieser an und für sich geistreiche Versuch, den weißen König in eine Sackgasse zu drängen, sollte kaum genügen. 35. e5 Te1+ 36. Kb2 Te2+ 37. Ka3 Txg6 38. Txg6+ Kd5 39. Txh6 a5 40. Th7 Tc2 (Falls statt dessen 40… Kc6 so 41. Te7 b5 42. b4 Te3+ 43. Kb2 axb4 44. f5 und die "Sackgasse" hat sich als erträglich erwiesen (kostete nur einen Bauern, welcher Verlust gegenüber den 2 verbundenen Bauern von Weiß fast gar keine Rolle spielt).) 41. Te7 b5 42. b4 (Nicht 42. f5? wegen 42… c6! 43. b4 Kc4 nebst Matt.) 42… a4? (Eine schwache Remischance bot 42… axb4+ 43. Kxb4 Tc4+ 44. Kxb5 c6+! nebst Rxf4. Nach dem Textzuge ist Schwarz total verloren.) 43. f5 c5 44. f6?? (Ein fataler Missgriff, mit 44. e5-e6 war der Gewinn leicht zu erzwingen, zum Beispiel: 44. e6! Tc3+ (44… Kc4? 45. Tc7) 45. Kb2 cxb4 46. Td7+! Kc6 47. Td8 Te3 48. f6 und gewinnt.) 44… Tc3+ 45. Kb2 cxb4 Remis (Denn auf 45… cxb4 46. f7 folgt 46… a3+ 47. Kb1 Tf3 48. e6 Tf1+ 49. Kc2 Tf2+ 50. Kd3 b3 51. axb3 a2 52. Ta7 Kxe6 und das Remis ist ausgesprochen. Ohne das grobe Versehen im 44. Zuge hätte die weiße Zentralisierung leicht gewonnen.) 1/2–1/2