Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 40
Eine "Französische Abtauschvariante" mit etwas ungewöhnlicher Läuferentwicklung. 1. e4 Sc6 2. Sf3 e6 3. d4 d5 4. exd5 exd5 5. Ld3 Lg4 6. Le3 (?) 6… Ld6 7. c3 Sge7 8. Sbd2 Dd7 9. Sb3 O-O-O 10. h3 Lh5 11. Dc2 f5 12. O-O-O und nun geschah: 12… f4 13. Ld2 Lxf3 14. gxf3 De6! Erst durch diesen Zug erhält der Abtausch einen Sinn. Sonst (zum Beispiel bei 14. ... g6) käme Weiß nämlich zu einer Aufrollungsaktion (h3-h4-h5). Man denke nur an unsere Nr. 33, dann wird man Qe6 ohne weiteres als Präventivzug auffassen, und das verdient der Zug ja auch voll und ganz. 15. Tdg1 (15. Lxh7? g6) 15… Dh6! 16. Kb1 Tdf8 17. Sc1 Sg8! Wiederum ein Präventivzug: da g7-g6 doch nicht zu umgehen ist, soll einer möglichen Aufrollungsaktion durch allfälliges Ng8-f6-h5 vorgebeugt werden. 18. b4 g6 19. Da4 Kb8 20. Sb3 Dh5 21. Le2 Sf6 22. Sc5 Sd8 23. Kb2 Te8 24. Ld1 Dh4 womit Schwarz sich nun anschickt, die Komplexschwäche in aller Ruhe auszunutzen. Ohne die im 14. und 15. Zuge geübte Prophylaxe wäre ihm dieses nicht möglich geworden. Ein klarer Beweis für die Richtigkeit unserer Anschauung, dass das Blockieren ohne Präventivspiel ein Unding ist. 25. Tf1 Te7 26. Db5 The8 27. a4 b6 (Da Schwarz in jeder Beziehung überlegen steht, geht er nun daran, den "Nc5" zu liquidieren, ohne sich um etwa entstehende eigene Schwächen zu kümmern. Indes, Gewaltmittel sind selten gut, und außerdem ist die weiße Stellung nur "bewegungsarm", nicht aber direkt schwach. Daher wäre eine langsame Strategie vorzuziehen gewesen, nämlich 27… c6 28. Dd3 Sd7 (drohend Nb6 und Nc4) 29. a5 und nun 29… a6! Der weiße Bauernvormarsch erschiene dann gestoppt, und Schwarz hätte zu langatmigen Manövern Zeit und Muße, wie etwa 30. ... Ka7 31. ... Bc7 nebst Nd8-f7-d6-c4, und Weiß dürfte sich des immer stärker werdenden Drucks kaum erwehren können.) 28. Sb3 Ka8 29. Sc1 (Den Vorzug verdiente 29. Da6 zum Beispiel: 29… Sb7 mit kompliziertem Spiel, das nur um ein Geringes für Schwarz besser stände.) 29… c6! (Falls sogleich 29… c5 so 30. a5) 30. Dd3 c5 31. dxc5 (Weiß hat es im 29. Zuge versäumt, Punkt a6 als Schwäche zu markieren, jetzt wäre es dazu zu spät, obgleich der Nachweis immer noch Schwierigkeiten bereitet. Zum Beispiel: 31. Da6 (statt 31. d4xc5) 31… cxd4 32. a5! (diesen Zug hat Dr. E. Lasker vorgeschlagen) 32… dxc3+ 33. Lxc3 d4! 34. Lxd4 Sc6 35. axb6 Sxd4 36. b7+ Txb7 37. Dxd6 und nun die einfache Abwicklung 37… Txb4+ 38. Dxb4 Tb8 Nach 39. Dxb8+ Kxb8 40. Sd3 Sd5 vermögen wir nicht einzusehen, weshalb das Bauernplus in Verbindung mit der "Zentrierung" nicht zum Gewinn ausreichen sollte. Nach dem Textzug wird der schwarze Angriff übermächtig.) 31… bxc5 32. Lb3 Sb7! (Ein entscheidendes Bauernopfer. Unzureichend wäre statt dessen die Fortsetzung 32… c4 33. Lxc4 dxc4 34. Dxd6 Td7 wegen 35. Dxf4 g5 36. Dxg5) 33. Lxd5 Sxd5 34. Dxd5 cxb4 35. a5 (Ein letzter geistreicher Versuch. Auf 35. cxb4 würde 35… Td8 usw. entscheiden.) 35… Td8 Die Drohung a6 darf ignoriert werden. 36. a6 bxc3+ 37. Kc2 Lb4 38. Dc6 (Bei 38. axb7+ Txb7 übernimmt die Qh4 die Deckung des Turmes auf d8.) 38… Txd2+ 39. Kb1 Kb8 Derselbe Zug wäre auch auf 39. Kb3 erfolgt. Aufgegeben. 0–1