Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 39
Das uns hier interessierende Kampfmoment wäre wie folgt zu charakterisieren: Schwarz hat das Ineinanderschieben der Bauernstellung (13. d4-d5) erzwungen, kann daraus aber keinen Vorteil ziehen, da die "blockierende" Fortsetzung Nd7-c5 an einem dann möglich werdenden Durchbruch scheiterte. Dieser Gegenchance beugt er aber vor und ermöglicht so eine glatte Abwicklung der Blockierungsaktion, die übrigens durch eine Angriffswendung verschärft wird. Wir lassen nun die Partie folgen. 1. Sf3 b6 2. e3 (Auf 2. e4 wäre 2… Lb7 3. Sc3 e6 4. d4 Lb4 nebst d6 gefolgt, und Schwarz steht zwar etwas beengt aber nicht schlecht.) 2… Lb7 3. b3 f5 4. Lb2 e6! (Nicht gut wäre 4… Sf6 wegen 5. Lxf6 exf6 6. Sh4 g6 und nun vielleicht 7. Lc4 um d5 zu provozieren, zum Beispiel: 7… d5 8. Le2 und wir wären geneigt, Weiß den Vorzug zu geben.) 5. Se5 (Um dem Gegner den holländischen Aufbau nachzumachen. Besser wäre aber 5. c4 nebst Nc3.) 5… Sf6 6. f4 g6 7. c4 Lg7 8. Sc3 O-O 9. De2 d6 Schwarz hat dieses Vorgehen gut vorbereitet, denn nun steht er bereit, e6-e5 nachzurücken. 10. Sf3 Sbd7 11. d4 De7 12. O-O-O e5 Es ist erreicht. 13. d5 a5 14. Dd2 Weiß ist nun im Begriff, seine Entwicklung nachzuholen, seine Stellung ist anscheinend ganz gesichert, denn auf etwaiges Nc5 hat Weiß fxe5 dxe5 d6! mit einem für Weiß nicht ungünstigen Durchbruch. 14… Sh5!! Eine gegen angedeutete Durchbruchsmöglichkeit gerichtete Präventivkombination; zunächst soll g2-g3 provoziert werden. 15. g3 (15. Le2 Darauf folgt 15… Sc5! Falls nun 16. fxe5 dxe5 17. d6 so 17… cxd6 18. Dxd6 Dxd6 19. Txd6 Lh6 zum Beispiel: 20. Sxe5 Lxe3+ 21. Kc2 Lxg2 22. Thd1 Sf4 und Schwarz dürfte gewinnen.) 15… Sc5 16. Le2 (Denn nun wäre 16. fxe5 dxe5 17. d6 wegen 17… Lxf3 schlecht.) 16… a4! 17. b4 a3! 18. La1 Der Erfolg für Schwarz besteht in dem Umstande, dass Ba1 nun ungedeckt ist. 18… Se4 19. Sxe4 (Falls 19. De1 so 19… exf4 20. exf4 Sxc3 21. Lxc3 Lxc3 22. Dxc3 Dxe2) 19… fxe4 20. Sg5 exf4 Nach dem Läufertausch auf g7 würde ein Matt in zwei Zügen drohen. 21. Lxg7 Dxg7 22. Dd4 f3 Damit hat Schwarz die Früchte seiner langzügigen Kombination eingeheimst. Nun gilt es nur noch, den Besitz zu behaupten. 23. Lf1 Tfe8 24. Lh3 (Selbstredend nicht 24. Sxe4 wegen 24… Txe4) 24… Lc8 (Fraglich wäre 24… Ta4 wegen 25. Le6+ Kf8 26. Dxg7+ nebst Bd7, obgleich Schwarz auch in diesem Falle mittels Rxb4 genügende Kompensation für die Qualität erhalten würde.) 25. Lxc8 Taxc8 26. b5 Te5 27. Se6 De7 28. Kb1 Sg7 29. Sf4 Dd7 30. h4 Es drohte g5. 30… Sf5 31. Dc3 Sxg3 32. Thg1 Sh5 33. Se6 Sg7 34. Sd4 Tf8 Aufgegeben. (Denn auf 34… Tf8 35. Dxa3 folgt 35… Th5 36. Th1 Dg4 37. Tdg1 Txh4! 38. Txg4 Txh1+ nebst f3-f2 und gewinnt. Der Wert der von Schwarz im 14. Zuge gewählten Strategie erhellt aus folgender Variante: Weiß unterlässt 15. g3 und spielt vielmehr 15. Be2. Darauf folgt 15. ... Nc5! Falls nun 16. fxe5 dxe5 17. d6, so 17. ... cxd6 18. Qxd6 Qxd6 19. Rxd6 Bh6, zum Beispiel: 20. Nxe5 Bxe3+ 21. Kc2 Bg2: 22. Rhd1 Nf4 und Schwarz dürfte gewinnen.) 0–1