Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 51

Brinckmann, Alfred – Nimzowitsch, AaronInternationales Schachmeisterturnier, Bad Niendorf, 7. August 1927

Nach 1. e4 Sc6 2. Sc3 e6 3. d4 d5 4. e5 Sge7 5. Sf3 b6! 6. Se2! La6 diese Züge haben wir bereits in den Glossen zur Nr. 49 besprochen 7. Sg3 Lxf1 8. Kxf1 h5 9. Lg5 drohte Weiß, die schwarzfeldrigen Punkte wie folgt zu erobern: Nh4 g6 Bf6 nebst Nh4-f3-g5 usw. Wie ist Bauer h5 nun ohne Zuhilfenahme des schwächenden g7-g6 zu decken? 9… Dc8! (9… Dc8 Falls nun 10. Sh4 so 10… Da6+ 11. Kg1 Da4!! 12. c3 Dxd1+ und h5 ist ohne Inanspruchnahme des g-Bauern genügend verteidigt.) 10. Dd3 Sg6 11. c3 h4 (Dieser an und für sich eher lockernde (ich meine selbstschwächende) Zug ist als Präventivaktion gegen das beabsichtigte h2-h4 gedacht. Zum Beispiel: 11… Le7 (statt h5-h4) 12. h4 Immerhin erscheint auch 11. ... Be7 als ein durchaus spielbarer Plan.) 12. Se2 Le7 (Sehr in Betracht kam zunächst 12… h3 zum Beispiel: 13. gxh3 (oder 13. g3 a5 nebst Qa6) 13… Le7) 13. h3 Lxg5 (Möglich war 13… Th5) 14. Sxg5 Sce7 (Auch hier war 14… Th5 in Betracht zu ziehen.) 15. Kg1 (Lässt dem Gegner Zeit zu einem umfassenden Zentralangriff. Brinckmann hält aus diesem Grunde den Gegenangriff 15. Df3 für angezeigt, doch würden wir auch in diesem Falle, nach den weiteren Zügen 15… Sf5 16. g4 hxg3 17. fxg3 (oder 17. Sxg3 Sgh4) 17… Dd7 18. h4 O-O-O 19. h5 Sge7 20. g4 Sh6 die schwarze Stellung entschieden vorziehen.) 15… f6 16. Sf3 Dd7 (Nach diesem Zuge erhält Weiß eine freilich ungenutzt gebliebene Gelegenheit zu einer äußerst raffinierten Rettungsaktion. Sofortiges 16… c5 nebst eventuell Qc7 wäre daher wohl eher geeignet, den Vorteil festzuhalten.) 17. Kh2 c5 18. c4! Sehr kühn und geistreich gespielt, nur schade, dass er im 24. Zuge nicht die - allerdings sehr versteckt liegende - adäquate Fortsetzung findet. 18… Dc7 19. cxd5 c4 (Auf 19… fxe5? würde folgen 20. Db5+ Kf8 21. Sg5 exd4+ 22. f4 Sxf4 23. Thf1 Sxd5? 24. Sxe6+ und gewinnt.) 20. Dc2 exd5 21. The1 O-O (Auf die Möglichkeit 21… fxe5 22. dxe5 Sxe5 23. Sxe5 Dxe5+ 24. f4 Dd6 und nun etwa 25. Tad1 drohend Qxc4, wollte ich mich nicht recht einlassen.) 22. Sc3 fxe5 23. Sxe5 (Nicht 23. dxe5 wegen 23… Txf3 nebst Nxe5 mit entscheidendem Angriff.) 23… Sxe5 24. dxe5? (Richtig war 24. Txe5!! zum Beispiel: 24… Sc6 25. Sxd5 Dd6 26. Dxc4 Sxe5 27. dxe5 Dxe5+ 28. f4 De6 29. f5 De5+ 30. Kh1 Tf7 und nun 31. Td1 und Schwarz ist nicht in der Lage, seine Position zu verstärken; also Remisschluss.) 24… d4! 25. Sb5 Dc5 26. Sd6 d3 (Nicht 26… b5 wegen 27. De4 mit zentralisiertem Aufbau.) 27. Dxc4+ Dxc4 28. Sxc4 Txf2 Was nun folgt, ist ein Schulbeispiel für ein "Spiel" in der 7. und 8. Reihe (hier die zweite und erste). 29. Tad1 Tc8 30. Se3 Td8 31. Sc4 Sf5 Verhindert Nd6. 32. a4 (Auf 32. e6 würde 32… Te2! folgen, zum Beispiel: 33. Txd3 (33. Txe2? dxe2 34. Txd8+ Kh7 und Schwarz gewinnt) 33… Txe1 34. Txd8+ Kh7 und die Drohung Ng3 wirkt entscheidend.) (Sucht Weiß nach 32. e6 Te2 mittels 33. e7 so geschieht einfach (33. e7 Sxe7? 34. Txd3! Txe1 35. Txd8+ Kf7 36. Sd6+ Ke6 37. Sc8! mit Remisschluss) 33… Te8 und Schwarz gewinnt den Bauern.) 32… Kf7 (Dieser Zug ist vollständig korrekt, wie folgende Analyse dartun mag. 32… Kf7 33. e6+ Ke8! 34. Se5 d2 35. Te4 Td4 (nur ja nicht den Witz 35… Tf1 [statt Rd4], denn darauf würde 36. Txf1 Sg3 nebst dem Gegenwitz 37. Tf8+ Kxf8 38. Sg6+ nebst Rxh4 und Matt auf h8 die für Schwarz unangenehme Folge sein) 36. Txd4 Sxd4 37. Sc4 Sb3 38. Kg1 Tf4 39. Se3 Txa4 und Weiß ist verloren.) (Übrigens hätte statt des in der Partie gewählten 32. ... Kf7 auch 32… Te2 ruhig geschehen können, indes ist es stets besser, auf Blockade zu spielen.) 33. Te4 Te2 34. Tf4 Ke6 Schwarz hat nun alles erreicht, nämlich die Turmstellung auf e2 und die Blockadestellung auf e6. Jetzt gilt es nur noch, den Nc4 zu vertreiben. 35. Tg4 d2 36. Tg6+ Kf7 37. Tg4 a6! 38. Tf4 Ke6 39. Sd6 Se3 Aufgegeben. 0–1