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Hängende Bauern: stark und verletzlich zugleich
Auf einen Blick
Hängende Bauern sind zwei Bauern nebeneinander, meist auf c und d, ohne eigene Nachbarbauern. Solange sie auf derselben Reihe stehen, kann kein Bauer sie decken. Aaron Nimzowitsch leitete sie in «Mein System» vom Isolani ab. Am Brett suchst du den richtigen Moment, sie zu sichern, ohne alle Initiative aufzugeben.
Kurz erklärt
Schau auf zwei Bauern derselben Farbe, die nebeneinander stehen, etwa auf c5 und d5. Fehlen auf den Linien b und e eigene Bauern, heissen sie hängende Bauern. Nebeneinander decken sie sich nicht gegenseitig.
Nimzowitsch erzählt ihre Herkunft wie eine Familiengeschichte. Aus einem Isolani wird nach einem Tausch ein isoliertes Bauernpaar, zwei Bauern schräg hintereinander. Rückt der hintere Bauer vor, entstehen hängende Bauern. Vom Isolani haben sie die Mischung aus Schwäche und Angriffskraft geerbt.
Zwei Dinge stehen für ihn fest. Weil kein Bauer sie deckt, stören Angriffe über offene Linien besonders. Und oft kann einer der beiden vorrücken, damit der andere ihn deckt. Dann stehen sie sicherer, aber blockiert; Nimzowitsch nennt das blockierte Sicherheit.
Wann soll ein Bauer vorrücken? Nimzowitsch warnt vor einem Durchbruch, der zu früh kommt, und ebenso vor Sicherheit ohne jedes Gegenspiel. Ein Vorstoss lohnt sich, wenn danach etwas Initiative bleibt, etwa gegen einen schwachen Bauern des Gegners. In eine tote Blockade solltest du nach Nimzowitsch nie gehen; dann lieber weiter hängen bleiben.
Beginne mit Lektion 35, dort entscheidest du, wann einer der Bauern vorrückt. Lektion 27 erklärt den Isolani. In Tarrasch gegen Nimzowitsch und in Spielmann gegen Nimzowitsch spielt Nimzowitsch mit Schwarz gegen hängende Bauern.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Vom Isolani zum Isolani
Oft rückt einer der hängenden Bauern ganz vor und wird getauscht. Dann bleibt wieder ein einzelner Bauer übrig, ein neuer Isolani. Nimzowitsch nennt das einen Kreislauf. Entscheidend ist dann, ob sich der neue Isolani halten kann.
Den Hängezustand sieht er als vorübergehend. Die Kunst ist, den richtigen Moment zu finden, um ihn zu beenden. Meist rückt der Verteidiger einen oder zwei Züge zu früh vor, beobachtet Nimzowitsch.
Lieber hängend als festgelegt
Das isolierte Bauernpaar, aus dem hängende Bauern oft entstehen, ist schwerfällig. Nimzowitsch rät seinem Besitzer, alles für den Vorstoss des hinteren Bauern zu tun. Hängende Bauern sind ihm viel lieber, weil sie drohen. Eine unsichere Initiative ist für ihn besser als sichere Passivität.
Was heute gilt
Hängende Bauern gelten bis heute als zweischneidig. Sie sind stark, solange Figuren sie stützen. Schwach werden sie, wenn sie angegriffen werden und nicht vorrücken können. Schon Nimzowitsch hielt sie für eine lebendige Waffe, anders als die Angriffskraft des Isolani. Welche Seite recht hat, zeigt die konkrete Stellung.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: II. Teil, 3c Die hängenden Bauern Originaltext noch nicht veröffentlicht
Der Stammbaum der hängenden Bauern vom Isolani her und wann sie in blockierte Sicherheit vorrücken sollen.
- Mein System: II. Teil, 3b Das „isolierte Bauernpaar“ Originaltext noch nicht veröffentlicht
Das isolierte Bauernpaar und warum sein Besitzer den Übergang zu hängenden Bauern suchen soll.
- Die Praxis meines Systems: 4. Der isolierte Damenbauer, die zwei Hängebauern Die zwei Läufer Originaltext noch nicht veröffentlicht
Partiebeispiele; Nimzowitsch hält die hängenden Bauern für eine Waffe, die nicht veraltet ist.
- Die Praxis meines Systems: Partie 65 (Originaltext)
Rubinstein gegen Nimzowitsch: blockierte Sicherheit mit einer kleinen Initiative statt eines frühen Durchbruchs.
- Die Praxis meines Systems: Partie 67 (Originaltext)
Tarrasch gegen Nimzowitsch: Schwarz hemmt und blockiert die hängenden Bauern von Weiss.