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Lavieren: hin und her mit festem Ziel
Auf einen Blick
Lavieren heißt: Du greifst eine gegnerische Schwäche abwechselnd auf verschiedene Weise an, bis die Verteidigung nicht mehr nachkommt. Aaron Nimzowitsch betont in «Mein System», dass Lavieren kein zielloses Hin und Her ist. Am Brett hilft es dir, eine gut verteidigte Schwäche doch noch zu gewinnen, oft im Endspiel.
Kurz erklärt
Stell dir einen schwachen Bauern vor, den ein Turm deckt. Greifst du ihn nur auf einem Weg an, hält die Verteidigung. Wechselst du aber zwischen Reihe und Linie, muss der Verteidiger jedes Mal umziehen. Irgendwann steht er so unbequem, dass der Bauer fällt.
Nimzowitsch zerlegt das Lavieren in Bausteine. Die Schwäche muss sich auf mindestens zwei Arten angreifen lassen. Außerdem brauchst du mehr Bewegungsfreiheit als der Gegner, also mehr Raum. In «Die Praxis meines Systems» nennt er diesen Raumvorteil sogar das wichtigste Prinzip.
Die Figuren wechseln dabei meist über ein bestimmtes, gut gestütztes Feld. Nimzowitsch nennt es die Achse, um die sich das Lavieren dreht. Verschiedene Figuren besetzen die Achse nacheinander und bringen so immer neue Drohungen. Manchmal tauschen zwei Figuren auch ihre Plätze.
Oft laviert man gegen zwei Schwächen an verschiedenen Stellen. Der Angreifer wechselt schnell von einer zur anderen, der Verteidiger braucht längere Wege. Irgendwann hält er mit dem Umgruppieren nicht mehr Schritt. Gibt es nur eine Schwäche, braucht der Angreifer dafür viele verschiedene Angriffsarten.
Das Wort taucht schon im Kapitel über die Fesselung auf. Dort heißt Lavieren: sich mehrere Wege offenhalten und erst im richtigen Moment wählen. Nimzowitsch zeigt das an einer eigenen Niederlage gegen Capablanca, der die Entfesselung geschickt aufschob.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Ein Beispiel von Nimzowitsch
Gegen von Gottschall spielte Nimzowitsch 1926 ein langes Endspiel und lavierte zuerst gegen den Bauern c5. Weiß kam in Zugzwang und zog schließlich am anderen Flügel einen Bauern vor. Dadurch wurde der weiße h-Bauer zur zweiten Schwäche. Über das Feld g4 als Achse drang Nimzowitsch dann in die weiße Stellung ein.
Zum Nachspielen
Lektion 29 zeigt das Grundmuster an einem Turmendspiel von Rubinstein. Ein Turm greift dort den Bauern h7 bald von der Reihe, bald von der Linie an. Lektion 36 übt das Lavieren über eine Achse, Lektion 42 das Spiel gegen Schwächen an beiden Flügeln.
Auch gegen Gregory 1914 und gegen Jacobsen 1923 laviert Nimzowitsch geduldig. Beide Male ist der weiße Bauer c4 eine seiner Zielscheiben.
Heute betrachtet
Verwandt ist eine Regel, die Trainer heute oft nennen: das Prinzip der zwei Schwächen. Eine Schwäche lässt sich oft halten, zwei meist nicht. Nimzowitsch beschrieb schon, wie man zwischen ihnen wechselt: mit Raum, einer Achse und vielen Drohungen.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: I. Teil, 7.3d Lavieren und sich a, b, c vorbehalten Originaltext noch nicht veröffentlicht
Im Kapitel über die Fesselung: sich mehrere Wege zur Entfesselung offenhalten, gezeigt an Nimzowitsch gegen Capablanca.
- Mein System: II. Teil, 5. Kapitel - Das Lavieren gegen eine feindliche Schwäche. Der kombinierte Angriff an beiden Flügeln. Besteht zwischen eben angedeuteten zwei Stratagemen eine gewisse Wahlverwandtschaft? Originaltext noch nicht veröffentlicht
Die Bausteine des Lavierens mit Achse, Raum und Platzwechsel, dazu der kombinierte Angriff an beiden Flügeln.
- Die Praxis meines Systems: 5. Das Lavieren gegen feindliche Schwächen bei gegebenem eigenen Terrainvorteil Originaltext noch nicht veröffentlicht
Lavieren gegen zwei Schwächen bei eigenem Raumvorteil, mit der Achse als Knotenpunkt der Verbindungswege.
- Die Praxis meines Systems: Partie 72 (Originaltext)
Von Gottschall gegen Nimzowitsch: Lavieren gegen zwei Schwächen, entschieden durch Zugzwang.