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Positionsspiel: vorbeugen statt nur angreifen
Auf einen Blick
Positionsspiel heißt, mit ruhigen Zügen die eigene Stellung auf lange Sicht zu sichern und zu verbessern. Aaron Nimzowitsch widmet ihm den zweiten Teil von «Mein System». Für ihn ist die Vorbeugung der Kern, nicht das Sammeln kleiner Vorteile. Am Brett hilft dir das, wenn es gerade keine Drohung und keine Kombination gibt.
Kurz erklärt
Viele Spieler glauben, jeder Zug müsse etwas drohen oder eine Drohung abwehren. Nimzowitsch nennt das einen schädlichen Denkfehler. Auch Warte- und Ruhezüge haben ihren Sinn. Ein guter Positionszug bringt deine Figuren in Kontakt mit wichtigen Punkten.
Viele Meister sahen im Positionsspiel vor allem das Sammeln kleiner Vorteile. Nimzowitsch gibt diesem Sammeln nur eine Nebenrolle. Wichtiger ist für ihn die Vorbeugung, die Prophylaxe. Was sie genau bedeutet, erklärt der Artikel über die Prophylaxe.
Zur Prophylaxe gehören für ihn zwei Seiten. Nach außen verhinderst du befreiende Bauernzüge des Gegners, wenn sie ihm wirklich helfen würden. Nach innen hältst du deine Figuren in Kontakt mit deinen eigenen wichtigen Punkten. Diese Punkte sicherst du mehrfach ab; Nimzowitsch nennt das Überdeckung.
Außerdem verlangt er großen Respekt vor dem Zentrum. Wer seine Figuren zu früh an einen Flügel zieht, lässt die Mitte schwach zurück. Besser bringst du die Figuren zur Mitte; Nimzowitsch nennt das Zentralisieren. Und deine Bauern sollen als Gruppe beweglich bleiben, nicht jeder einzelne für sich.
Beginne mit Lektion 21, dort fragst du nach dem Plan deines Gegners. Lektion 25 zeigt, wie du einen Flügelangriff in der Mitte beantwortest, Lektion 28 das Überdecken. In Schlechter gegen Nimzowitsch wartet Schwarz geduldig und verhindert einen weißen Plan nach dem anderen.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Vom einzelnen Bauern zum ganzen Brett
Viele Ideen aus dem ersten Teil des Buches kehren im Positionsspiel wieder, etwa Hemmung und Zentralisierung. Dort ging es oft um einen einzelnen Freibauern. Im Positionsspiel soll manchmal ein ganzer Flügel gehemmt werden. Nimzowitsch vergleicht das mit einem Musikstück für Geige, das für ein großes Orchester umgeschrieben wird.
Als Beispiel nennt er seine Partie gegen Johner. Dort greift die Hemmung auf das ganze Brett über. Im Kurs kannst du sie nachspielen. Schwarz hemmt dort die weißen Bauern am Königsflügel. Danach bereitet er in Ruhe einen Angriff vor.
Ein Zug, der weder droht noch verteidigt
Ein Angriffsspieler rechnet meist mit zwei Antworten: mit einer Verteidigung oder mit einem Gegenangriff. Der Positionsspieler überrascht ihn mit einer dritten Art von Zug. Er bringt eine Figur in Kontakt mit einem Schlüsselpunkt, und der Angriff scheitert.
Nimzowitsch erzählt von einer freien Partie gegen einen bekannten Amateur. Dieser erwartete, dass beide Seiten mit ihren Bauern gegen den gegnerischen König stürmen. Wer zuerst ankommt, gewinnt, so dachte er.
Nimzowitsch stürmte nicht mit. Er stellte einen Springer auf ein starkes Feld in der Mitte und nennt das einen Positionszug. Danach stand Weiß deutlich besser. Seine Lehre: Nicht immer angreifen wollen, sondern zuerst die Stellung sichern.
Heute betrachtet
Heute versteht man unter Positionsspiel meist das Spiel um dauerhafte Vorteile wie gute Felder, sichere Bauern und Raum. Das Sammeln kleiner Vorteile gehört dabei dazu, auch wenn Nimzowitsch es für weniger wichtig hielt. Ob eine ruhige Lösung oder ein Angriff besser ist, entscheidet die konkrete Stellung.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: II. Teil, 1. Kapitel Originaltext noch nicht veröffentlicht
Überblick über das Kapitel: Nimzowitschs Auffassung des Positionsspiels und das Problem des Zentrums.
- Mein System: II. Teil, 1.1 Die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Behandlung der Elemente einerseits und dem Positionsspiel andererseits Originaltext noch nicht veröffentlicht
Wie die Ideen aus den «Elementen» im Positionsspiel wiederkehren und in die Breite gehen, mit dem Vergleich zum Orchester.
- Mein System: II. Teil, 1.2 Über positionelle Gedanken - Schädlinge, deren Ausrottung in jedem Fall eine conditio sine qua non für die Erlernung des Positionsspiels bildet Originaltext noch nicht veröffentlicht
Zwei Denkfehler: dass jeder Zug etwas Unmittelbares leisten müsse und dass Positionsspiel vor allem das Sammeln kleiner Vorteile sei.
- Mein System: II. Teil, 1.3 Meine neuartige Auffassung des Positionsspiels als solches: Das bekannte Akkumulieren geringfügiger Vorteile ist erst in zweiter (bis dritter) Linie bezeichnend; viel wesentlicher ist eine nach außen und innen hin betriebene Prophylaxe (Vorbeugung). Meine Neuheit der Überdeckung, Formulierung und Sinn derselben. Originaltext noch nicht veröffentlicht
Prophylaxe nach außen gegen befreiende Bauernzüge und nach innen durch Überdeckung der eigenen wichtigen Punkte.
- Mein System: II. Teil, 1.6 Worin hat das Leitmotiv der wahren Strategie zu bestehen? Originaltext noch nicht veröffentlicht
Das Leitmotiv der Strategie: das Zentrum überdecken und zentralisieren, statt zu früh an einen Flügel zu schwenken.
- Mein System: II. Teil, Wege zur Aneignung des Positionsspiel Originaltext noch nicht veröffentlicht
Kleines Schema zum Kapitel: sechs Regeln, wie man sich das Positionsspiel aneignet.