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Zugzwang: wenn jeder Zug schadet
Auf einen Blick
Zugzwang heißt: Wer am Zug ist, muss seine Stellung verschlechtern, weil jeder mögliche Zug schadet. Den Begriff gab es schon vor Aaron Nimzowitsch. Er setzte den Zugzwang aber gezielt als Werkzeug ein, im Endspiel und beim Lavieren. Am Brett hilft dir die Idee, einem eingeengten Gegner auch die letzten brauchbaren Züge zu nehmen.
Kurz erklärt
Im Schach darfst du nicht passen. Meist ist das kein Problem, denn ein Zug kann die Stellung verbessern. Manchmal aber schadet jeder mögliche Zug. Diese Lage nennt man Zugzwang.
Das Wort ist älter als Nimzowitsch. In seinen Büchern verwendet er es wie einen bekannten Fachbegriff. Für ihn ist der Zugzwang ein Werkzeug, das du im Endspiel oft einsetzen sollst.
Im Bauernendspiel lockt er mit Zugzwang gegnerische Bauern nach vorn. Dort erreicht sein König sie später schneller. Er rät, das schon vor dem entscheidenden Tausch vorzubereiten.
Auch beim Lavieren hilft der Zugzwang. Gegen von Gottschall spielt Nimzowitsch lange gegen den Bauern c5, bis Weiß kein guter Zug mehr bleibt. Nach Nimzowitsch muss Weiß nun seine Schutzstellung selbst schwächen. Er zieht am Königsflügel einen Bauern vor.
Beginne mit der Partie Sämisch gegen Nimzowitsch. Danach zeigt dir die Partie gegen von Gottschall den Zugzwang beim Lavieren. Lektion 42 beginnt kurz nach dem Bauernzug von Weiß in dieser Partie.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Die «Unsterbliche Zugzwangpartie»
In Kopenhagen 1923 schnürt Nimzowitsch die weißen Figuren immer enger ein. Nach seinem Zug 25…h6 hat Weiß laut Nimzowitsch keinen brauchbaren Zug mehr. Weiß gab auf. Schwarz hätte danach nur noch mit dem König warten müssen, schreibt er.
Schon in «Mein System» nennt Nimzowitsch die Partie mit diesem bekannten Namen. In «Die Blockade» stellt er sie neben die berühmte «Unsterbliche Partie». Dort zeige ein Opfer seine größte Wirkung, hier der Zugzwang.
Heute betrachtet
Streng genommen spricht man von Zugzwang, wenn die Seite am Zug besser stünde, wenn sie passen dürfte. Heutige Prüfungen zeigen: Gegen Sämisch war Weiß schon vorher verloren, nicht erst wegen der Pflicht zu ziehen. Die Partie zeigt trotzdem schön, wie eine eingeschnürte Stellung jeden Zug schwer macht.
Ein verwandtes Mittel ist der Wartezug. Er ändert nichts Wichtiges und gibt nur die Pflicht zu ziehen an den Gegner weiter. Auch das Duell der Könige im Bauernendspiel beruht auf Zugzwang; mehr dazu im Artikel über die Opposition.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: I. Teil, Partie-Beispiele zu den ersten drei Kapiteln (Originaltext)
Sämisch gegen Nimzowitsch als Beispiel zum Vorposten, mit dem Schlusszug, der nach Nimzowitsch den Zugzwang erklärt, und dem Namen «unsterbliche Zugzwangpartie».
- Die Blockade: Partie 9 Originaltext noch nicht veröffentlicht
Dieselbe Partie als Beispiel für Hemmung im weitesten Sinn; Nimzowitsch vergleicht ihren Zugzwang mit dem Opfer in der «Unsterblichen Partie».
- Mein System: I. Teil, 4.6 Die privilegierten Freibauern Originaltext noch nicht veröffentlicht
Bei den privilegierten Freibauern: Zugzwang als Werkzeug, um gegnerische Bauern vorzulocken, bevor der König losgeht.
- Die Praxis meines Systems: 5. Das Lavieren gegen feindliche Schwächen bei gegebenem eigenen Terrainvorteil Originaltext noch nicht veröffentlicht
Das Lavieren gegen feindliche Schwächen; in der Partie gegen von Gottschall kommt der Zugzwang als Helfer hinzu.
- Die Praxis meines Systems: Partie 72 (Originaltext)
Von Gottschall gegen Nimzowitsch, Hannover 1926, mit einer Zugzwangstellung im Endspiel mit Turm und Läufer.