Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 70

Goldstein, Maurice – Nimzowitsch, AaronImperial Chess Club, London, 21. November 1927

1. d4 d5 2. Sf3 e6 3. c4 Sd7 4. Sc3 Sgf6 5. Lg5 Lb4 Spielmanns geistvolle Spezialvariante 6. cxd5 exd5 7. e3 (auf 7. Qa4 kann sofortiges c5 geschehen, zum Beispiel: 7. Da4 c5 8. dxc5 Lxc3+ 9. bxc3 O-O 10. c6 Dc7!) 7… h6 (möglich war 7… c5 , zum Beispiel: 8. dxc5? Da5 usw.) 8. Lxf6 Dxf6 (sehr solid erscheint statt dessen die Spielweise 8… Lxc3+ 9. bxc3 und 9… Sxf6 ; auf 10. c4 wäre dann der Gegenstoß 10… c5 möglich) 9. Db3 Db6 (um das Spiel zu komplizieren, sonst könnte auch 9… Dd6 mit der Folge von 10. Le2 c5 11. dxc5 Sxc5 12. Dc2 Se4 13. O-O Lxc3 geschehen) 10. Ld3 (Annahme des Bauernopfers durch 10. Dxd5 hätte nach 10… Lxc3+ 11. bxc3 Db2 12. De4+ Kd8 13. Td1 Dxc3+ 14. Sd2 Te8 15. Db1! Sb6! (riskant wäre 15… Dxd4) 16. Le2 Ld7 zu unklarem Spiel geführt) 10… Sf6 11. O-O O-O!! ein Bauernopfer das sich lediglich auf die Überlegenheit der "zwei Läufer" stützt 12. Sxd5 Sxd5 13. Dxd5 Le6 14. Db5 (nicht 14. De4 wegen 14… f5 15. De5 Tae8) 14… Le7! 15. Tfc1 c6 16. Dxb6 axb6 17. a3 b5 18. Se5 Ld6 19. f4 Er lässt seine Zentralmehrheit allzu schnell avancieren, man beachte nun, wie die Läufer locken und hemmen. 19… f6 20. Sf3 Ld5! 21. e4 Lf7 22. e5 Lb8 Bd4 erscheint nun recht schwach. 23. Te1 fxe5! (Auf 23… La7 könnte u. a. 24. exf6 nebst Re7 geschehen.) 24. fxe5 (Falls 24. dxe5 , so 24… Le6 25. g3 g5 usw.) 24… Le6 Die Hemmung, vergleiche die Note zum 19. Zuge. 25. Kf2 La7 26. Kg3 (Auch nicht besser wäre 26. Ke3) 26… Tad8 27. Tad1 Td7 28. Td2 Tfd8 (Stark in Betracht kam 28… g5 , zum Beispiel: 29. h3 Tg7 mit ernst zu nehmenden Drohungen.) 29. Lc2 g5 30. h3 Kf7 (Mit dem Rückgewinn des Minusbauern hat es keine Eile ( 30… Lxd4 31. Sxd4 Txd4 32. Txd4 Txd4 33. Td1 mit Ausgleich). Der Königszug ist u. a. auch als eine gegen den freien e-Bauern gerichtete Präventivmaßnahme gedacht, auf e7 würde der König nämlich als Reserveblockeur wirken.) 31. Ted1 Ke7 32. Le4 h5 33. d5! Meister Goldstein verteidigt die schwierige Stellung ausgezeichnet. 33… cxd5 34. Ld3 Tg8 35. Lxb5 g4 36. hxg4 Txg4+ 37. Kh2 Tc7 38. Ld3? (Mit 38. Sd4 war das Spiel zu halten.) 38… Le3 39. Tc2 Txc2 40. Lxc2 d4 41. b4 h4! 42. Ld3 h3! 43. Lf1 (Falls 43. gxh3 , so 43… Lf4+ 44. Kh1 Ld5!) (Falls aber 43. Kxh3 , so 43… Tg8+ 44. Kh2 Lf2 45. Sg1 Ld5 46. Lf1 Lg3+ 47. Kh1 Th8+ 48. Sh3 Txh3+ und gewinnt.) 43… hxg2 44. Lxg2 Der Vorstoß des h-Bauern hat nicht nur zu einer Degradierung des weißen Läufers (zu einem Bauern), sondern auch zu einer Deblockierung des schwarzen Freibauern geführt. Hierin liegt der Sinn des schwarzen Manövers. 44… Lb3 45. Te1 Lf4+ 46. Kh1 (Falls 46. Kg1 , so 46… Ld5 47. Tf1 d3) 46… Ld5 47. Td1 Tg8 48. Txd4 Th8+ und gewann. Ab hier Fortsetzung laut Webquelle, in der gedruckten Fassung nicht belegt: 49. Kg1 Le3+ 50. Kf1 Lxd4 51. Sxd4 Tf8+ 52. Kg1 Tg8 53. Sf5+ Ke6 54. Se3 Lxg2 55. Sxg2 Tg3 56. Kf2 Txa3 57. Se3 Tb3 Aufgegeben. Die von den beiden Läufern in dieser Partie geleistete Arbeit war recht vielseitig. Die Läufer haben "gelockt" und gehemmt, bis dass die gegnerische Mehrheit entwertet war. Dann wurde der feindliche König beschossen, und zwar auf allen möglichen Diagonalen. Und zuletzt schenkten sie dem kleinen, unbedeutenden Freibäuerlein auf d4 ihre hohe Protektion, und dieser Freibauer wurde so zu einem Riesen. 0–1