Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 73
1. e4 Sc6 2. Sf3 e6 3. d4 d5 4. exd5 exd5 5. Lg5 Le7 6. Lxe7 Dxe7+ 7. De2 (Spielt auf Remis, sonst könnte 7. Le2 ruhig geschehen sein, zum Beispiel: 7… Db4+ 8. Sc3!) 7… Lf5 8. c3 Le4 durch die hierdurch erfolgte Besetzung des Vorpostenpunktes leitet Schwarz ein Spiel in der e-Linie ein 9. Sbd2 O-O-O 10. O-O-O Sh6! (beugt dem sonst, also etwa nach 10… Sf6 , möglichen Befreiungszuge 11. Se5! vor) 11. Se5 (Hier hätten wir h2-h3 den Vorzug gegeben, zum Beispiel: 11. h3 a6 (sonst folgt Qb5) 12. De3) 11… Sxe5 12. dxe5 Lg6 Ein Lavierungsspiel ist in Vorbereitung. Als feindliche Schwächen fungieren Bauer e5 und die schwach gedeckte Schräge g6-b1; die Lavierungsachse liegt auf dem befestigten "Schrägpunkt" e4. 13. Sf3 The8 14. De3! Kb8 15. Df4 Le4! Vergleiche die vorige Note. 16. Te1 (Denn 16. Lb5 verlöre wegen 16… Lxf3 17. gxf3 Dxe5 einen Bauern.) 16… Dc5 17. Sd2 Lg6 18. Sb3 Db6 19. Dd4 f6 20. f4 fxe5 21. fxe5 (Oder 21. Txe5 Txe5 22. Dxe5 Te8) 21… Le4 22. Sd2 c5 23. De3! (Falls 23. Da4 , so 23… Txe5 24. Sxe4 dxe4 25. Txe4 De6 26. Txe5 Dxe5 und gewinnt.) 23… Txe5 24. Dg3 Dc7 25. Ld3 Tde8 26. Lxe4 dxe4 27. Sc4 T5e6 28. Dxc7+ Kxc7 29. Se3! Damit hat Weiß eine treffliche Blockadestellung aufgebaut; der schwarze Gewinn liegt noch in weiter Ferne. 29… Sf7 (Um den schlechten Springer auf d6 zu zentralisieren. Die Alternative bestünde in 29… Tf8 (um den Kampf in der f-Linie aufzunehmen), zum Beispiel: 30. Thf1 Tee8 31. c4 Kc6 32. Kc2 und nun 32… g6! mit der Absicht Nf5; auf 33. g4 könnte dann 33… Tf3 folgen. Es ist schwer zu sagen, welche Spielweise die vorteilhaftere ist.) 30. Kc2 Sd6 31. c4 Kc6 32. Thf1 Th6! Dieser Zug ist aus der genauen Kenntnis der Lavierungsgesetze geboren. Schwarz ist nämlich auf die Aktion a7-a6 nebst b7-b5 angewiesen, er hätte dann, da die weißen Antagonisten mit der Beobachtung des Bauer e4 vollauf zu tun hätten, eine Chance, ins Spiel einzudringen (über die zu öffnende b- bzw. a-Linie). Damit wäre die zum Gelingen einer Lavierungsoperation erforderliche Lavierungsachse geschaffen; doch würde es an den obligatorischen "zwei Schwächen" fehlen, denn die Verpflichtung des Weißen, Bauer e4 zu bewachen, bildet naturgemäß nur eine Schwäche. Mit dem Textmanöver 32. ... Rh6 usw. wird nun die Schaffung der "zweiten Schwäche" bezweckt, deren Vorhandensein im später entstehenden Turmendspiel entscheidende Bedeutung erlangt. 33. h3 Tg6 34. Te2 a6 35. Tf4 b5 36. b3 Tg5 37. g4 Tge5 38. Kc3 a5! Nun soll a5-a4 nebst doppeltem Bauerntausch geschehen, dem Eindringen der Türme, etwa durch Re5-e7-a7-a3 oder a1, stünde dann nichts mehr hindernd im Wege. 39. Tef2 a4 40. bxa4 bxc4!! Bei diesem Zuge musste Schwarz das nach dem 44. Zuge entstehende Turmendspiel berücksichtigen. 41. Tf8 T5e7 (Nicht 41… Txf8 , weil der weiße Turm eindränge.) 42. Txe8 Txe8 43. Sxc4 Sxc4 44. Kxc4 Ta8! 45. Tf7 (Oder 45. Kb3 Kd5 usw.) 45… Txa4+ 46. Kb3 Tb4+ 47. Kc3 Tb7 In diesem Turmendspiel bildet der gelockerte Königsflügel (Bauer h3 und g4) eine entscheidende Schwäche, wie man bald sehen wird. 48. Tf5 Ta7 49. Kc4 Ta4+ 50. Kb3 Td4 51. Te5 Kd6 52. Te8 Td3+ 53. Kc4 Txh3 Vergleiche die Anmerkungen zum 47. und 32. Zuge. 54. Txe4 Ta3 55. Te2 Ta4+ und Schwarz gewann Ab hier Fortsetzung laut Webquelle, in der gedruckten Fassung nicht belegt: 56. Kb5 Txg4 57. a4 Tb4+ 58. Ka5 h5 59. Th2 Kc6 mit der Drohung Rb8 60. Te2 Tg4 61. Te6+ Kd5 62. Te8 h4 63. Td8+ Kc4 64. Kb6 h3 65. Td1 Kb4 66. Tb1+ Kxa4 67. Kxc5 g5 68. Th1 Tg3 69. Kd4 g4 70. Ke4 Tg2 71. Kf4 h2 Aufgegeben. In dieser Partie trat die logische Zusammengehörigkeit von "Lavierungsachse" und den "zwei Schwächen" äußerst plastisch in die Erscheinung. 0–1