Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 86

Nimzowitsch, Aaron – Gemzøe, Jacob ErhardTrainingsturnier, Kopenhagen, 25. Januar 1928

1. e3 g6 2. c3 Sf6 3. d4 Lg7 4. Lc4 (um d7-d5 zu provozieren, doch wäre auch d7-d6, was Weiß offenbar zu fürchten scheint, recht erträglich gewesen, zum Beispiel: 4. Ld3! d6 5. Se2 mit ähnlichem Aufbau wie in der vorigen Partie) 4… d5 5. Le2 Sbd7 (in Betracht kam 5… Sc6) 6. Sf3 O-O 7. O-O Te8 8. b4! Das gleiche Stratagem wie in der Nr. 85. Er glaubt, sowohl gegen e7-e5 als auch gegen Ne4 gerüstet zu sein ( auf e5 ließe er alles stehen ) und bläst daher zum Angriff am äußersten Flügel. 8… Se4 9. a4! f5 10. a5 (Nimmt dem Gegner zwar das Feld b6, schafft aber andererseits, wie sich bald zeigt, einen toten Punkt auf b5. 10. c4 hätte daher wohl den Vorzug verdient.) 10… a6 11. Lb2 c6 12. Se1 Sd6 (Falls 12… e5 so 13. Sd3 und 14. f4 nebst Ne5 und Konsolidierung.) 13. c4! Sxc4 14. Lxc4 dxc4 15. Dc2 Sf6 (Nicht gut, vergleiche die nächste Note. Richtig war 15… e5 um den beiden Läufern Spielraum zu verschaffen.) (Spielbar erscheint übrigens auch 15… b5 zum Beispiel: 16. axb6 Sxb6 17. Sa3 Le6 18. Sf3 Kh8 19. Sd2 Tb8 denn die Transaktion 20. Saxc4 Sxc4 21. Sxc4 Txb4 22. Se5 würde nach 22… Lxe5 nebst 23. ... Rc4 für Schwarz ganz annehmbar erscheinen.) 16. Sd2 Le6 17. Sxc4 (17. Sef3 gefiele uns besser.) 17… Dc7 (Der Versuch, sich der weißfeldrigen Punkte mittels 17… Lxc4 18. Dxc4+ Sd5 zu bemächtigen, dürfte an 19. Sd3 nebst Rae1 f3 und e4 scheitern. Damit erscheint 15. ... Nf6 usw. widerlegt.) 18. Sd3 Tad8 19. Sf4 Ld5 20. Se5 Die weiße Drohung liegt in der Zugfolge Rae1 f3 und e4, dagegen ist schwer etwas zu erfinden. 20… Lh6 21. Tae1 (Vorsichtiger wäre 21. Sfd3) 21… Tf8 (21… Lxf4 nebst e6 hätte starken Widerstand ermöglicht.) 22. f3 (Besser zunächst: 22. Sfd3) 22… Kg7 (Besser wiederum: 22… Lxf4) 23. Sfd3 Lg8 24. e4 Jetzt steht Weiß überlegen. 24… Dc8 25. Sc5 (Um die Erinnerung an den "verflossenen Flügelangriff" aufzufrischen, doch wäre auch die naheliegende Spielweise 25. Qe2 und 26. g4 sehr stark gewesen. Beispielsweise 25. De2 Kh8 26. g4 Lg7 27. exf5 gxf5 28. g5 Sd5 29. f4 und Weiß erhält Königsattacke.) 25… Kh8 26. Df2 Kg7 27. exf5 (Nachdem der Nachziehende jeden "weißfeldrig" betonten Halt in der Stellung verloren hat, sollte der Gewinn keine größeren Schwierigkeiten mehr bereiten, zumal Weiß in den schwarzfeldrigen Punkten geradezu dominiert. Beispielsweise wäre 27. d5 entscheidend gewesen, man sehe 27… cxd5 28. exf5 gxf5 (Oder 28… Dxf5 29. g4 Dc8 (29… Df4? 30. Sed3 (oder auch 30. Lc1)) 30. f4) 29. Ld4! und Schwarz ist gegen den drohenden Aufmarsch ( f4 und Re1-e3-h3 ) wehrlos. Aber der Textzug sollte noch schneller entscheiden.) 27… gxf5 28. f4 (Leicht gewonnen hätte 28. Dg3+ Kh8 29. Dh4 Kg7 30. g4 Lf4 31. g5 Sd5 32. Dh6+ Kh8 33. Sg6# Nach dem unbedachten Textzug rettet sich Schwarz durch ein äußerst anmutiges Zusammenspiel aller Verteidigungstruppen.) 28… Sd5! 29. Dh4 Td6 30. Tf3 Kh8 31. Tef1 Lg7 32. Tg3 Tff6 33. Tff3 Th6 34. Dg5 Tdg6! 35. Sxg6+ Txg6 Remis!! Die Dame kann sich dem "ewigen Schach" nicht entziehen. 1/2–1/2