Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 97
1. e4 c5 2. Sc3 Sc6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. Sge2 e6 ( um den auf d4 zu etablierenden Diagonalvorposten durch den zweiten Springer von c6 aus zu unterstützen ) 6. d3 Sge7 7. Le3 Sd4 8. Dd2 Sec6 ( vergleiche die vorige Note ) 9. Sd1 (Kostitsch wählte in unserer Niendorfer Partie 9. O-O und es folgte: 9… d6 10. Sd1 Da5! 11. Sxd4 Dxd2 12. Lxd2 cxd4 13. c3 (klarer erschiene sofortiges 13. c4) 13… Ld7 14. f4 dxc3 15. bxc3 Tc8 mit einigem Schrägspiel) 9… Sxe2 (auch gegen das direkte 9… d5 dürfte nichts einzuwenden sein, zum Beispiel: 10. Sxd4 cxd4 mit offenem Druck in der c-Linie und latentem Druckspiel in der Schrägen g7-h2. Nach c2-c3 welcher Zug auf die Dauer nicht zu umgehen wäre, würde diese zu Ehren gelangen) 10. Dxe2 Da5+ 11. Dd2 (auf 11. c3 käme 11… Sd4 12. Dd2? Sb3) 11… Dxd2+ 12. Kxd2 d6 (Eine noch unpräzisierte Schrägwirkung muss mit größter Vorsicht angefasst werden, sonst zerrinnt sie in nichts. Der Zug 12… b6! hätte Möglichkeiten geschaffen, zum Beispiel: 13. c3 Lb7 14. f4 d5 15. exd5 Se7 16. Sf2 und nun vielleicht 16… Sf5 . Es war von Belang, sich auch den Aufbau e6xd5 vorzubehalten. Nach dem Textzuge, der die Zahl der Möglichkeiten unnötigerweise verringert, dürfte ein Gewinn nicht mehr nachweisbar sein.) 13. f4 b6 14. e5 Lb7 15. exd6 O-O-O 16. c3! Txd6 17. Sf2 Thd8 Die schwarze Stellung ist zwar festgefügt, bietet aber eine allzu geringe Auswahl an möglichen Angriffsformationen. 18. Tad1 (Eine Remisstellung, denn d3 ist uneinnehmbar. Steinitz hatte einige ähnliche Schlussspiele trotz zähester Ausdauer nur remisiert. Man sehe beispielsweise 18. Tad1 Se7 19. Lxb7+ Kxb7 20. Kc2 Sf5 21. The1 h5 22. Se4 T6d7 23. Lc1) (Oder 18. Tad1 Se7 19. Lxb7+ Kxb7 20. Kc2 Sd5 21. The1 f5 22. Lc1 Schwarz bringt dann zwar seinen König nach f7 ( zwecks Sicherung von e6 ) , aber Weiß stellt die Türme in der e-Linie auf und darf dem kommenden gegnerischen Angriff (b6-b5-b4) mit Ruhe entgegensehen.) 18… e5 Ein "energischer" Versuch, der aber vom jugendlichen Gegner mit leichter Mühe pariert wird. 19. The1 f5 20. Lxc6! Txc6 (Falls 20… Lxc6 so 21. fxe5 Lxe5 22. Lxc5) 21. fxe5 Lxe5 22. Lg5 Lf6 23. Lxf6 Txf6 24. Te7 Jetzt hat Weiß eine nicht zu unterschätzende Initiative erlangt. 24… Td7 25. Tde1 Ld5! Schwarz scheut sich nicht, seinem stolzen Läufer eine Froschstellung anzuweisen (auf f7). Diese dem pseudoklassischen Schach ziemlich wesensfremde Abart des Mutes scheint für den neuromantischen Stil bezeichnend zu sein. 26. Sh3 h6 27. Sf4 Lf7! 28. h4 Kd8 29. Txd7+ (Der Rückzug 29. T7e5 würde nach 29… g5 30. hxg5 hxg5 31. Sh3 f4 32. Txg5 (oder 32. g4 Lg6 33. Sf2 Lxd3 und c4) 32… fxg3 33. Txg3 Lxa2 zur Auflösung der Spiele führen. Nach dem Textzug gerät Weiß aber in Nachteil.) 29… Kxd7 30. a3 g5 31. hxg5 hxg5 32. Sh3 Tg6 33. Te5 Le6 Der Läufer bildet nun u. a. eine "Brücke" für das geplante Kd7-e7-f6. 34. Ke1 (Durch 34. d4 könnte die Brücke untauglich gemacht werden, es wäre aber gefolgt 34… cxd4 35. cxd4 f4 36. Txg5 Txg5 37. Sxg5 fxg3 und Weiß bekäme es mit dem "entfernteren Freibauern" zu tun.) 34… Ke7 35. b4 Kf6 36. Te3 Tg8 37. Kf2 Ld5 Der Läufer tritt nun aus seiner Reserve hervor. 38. c4 Lf7 (Hier dürfte das einfache 38… Lb7 vorzuziehen sein. Auf 39. Kg1 Th8 40. Sf2 wäre 40… f4 nicht übel, zum Beispiel: 41. gxf4 gxf4 42. Te2 (Oder 42. Te1 Tg8+ 43. Kf1 Lg2+ 44. Ke2 (44. Kg1 wäre auch nicht gerade erfreulich) 44… Te8+ 45. Kd2 Txe1 46. Kxe1 Ke5 47. Kd2 Kd4 48. bxc5 bxc5 49. Ke2 f3+ 50. Kd2 Lf1 und gewinnt.) 42… Tg8+ 43. Kf1 Lg2+ 44. Ke1 Lf3 45. Tc2 Tg1+ mit Vorteil.) (Andere Defensivformationen wären wohl noch ungünstiger, zum Beispiel: ( 38… Lb7 ) 39. Sg1 Th8 40. Sf3 Lxf3 41. Kxf3 Th2 und gewinnt 42. Te2 Txe2 43. Kxe2 Ke5 usw.) 39. Sg1 Th8 40. Sf3 Th1 41. Se5! (Besser als 41. Te1 Txe1 usw.) 41… Le6 42. Sc6 Nun sollte Weiß nicht mehr verlieren. 42… Th2+ 43. Ke1 Ta2 44. bxc5 bxc5 45. Sxa7 Ld7 Ein letzter Versuch. 46. d4 (46. Sb5 machte remis, zum Beispiel: 46… Lxb5 47. cxb5 Txa3 48. Te8 (am einfachsten!) 48… Txd3 (falls 48… Tb3 so 49. Tb8) 49. b6 Tb3 50. Tb8! Ke5 51. b7 Kd6 52. Td8+ Kc7 53. Tc8+ Kxb7 54. Txc5 Tf3 55. g4 usw.) 46… cxd4 47. Td3 Ke5 48. Sb5 Lxb5 49. cxb5 Tb2! Damit wird ein interessanter Durchbruch in die Wege geleitet. 50. a4 g4! 51. Td2 (Einzig 51. a5! Txb5 52. Ta3 hätte eine Remischance offen gelassen.) 51… Txd2 52. Kxd2 f4! 53. gxf4+ Kd6! Weiß ist verloren. Es folgten noch einige Zuckungen: 54. a5 g3 55. a6 Kc7 56. Ke2 d3+ 57. Kxd3 g2 58. Ke4 g1=D 59. Kf5 Db6 60. Kg5 Kd7 61. f5 Ke7 Aufgegeben. 0–1