Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch

Partie 99

Andersen, Erik:Nielsen, J.W. – Nimzowitsch, AaronBeratungspartie, Kopenhagen, 1923

1. e4 Sc6 2. d4 d5 3. exd5 Dxd5 4. Le3 e6 (wahrscheinlich dürfte 4… e5 der objektiv richtige Zug an dieser Stelle sein) 5. Sf3 Ld7 (Um den Gegner ein wenig einzuschüchtern? denn nun "droht" Schwarz, die d-Linie in die Waagschale zu werfen. Objektiv richtiger ist natürlich 5… Sf6 . Zum Beispiel: 6. h3 ( sonst folgt eventuell Ng4 ) 6… e5 7. dxe5 Dxd1+ 8. Kxd1 Sd5) (Oder auch ( 5… Sf6 6. h3 ) 6… Da5+ 7. c3 e5 8. b4 Dd5 9. b5 exd4 10. cxd4 Se7! 11. Sc3 Dd8! und 12. Ned5 mit erreichter Konsolidierung.) 6. Sbd2 (Vorzuziehen war 6. Le2 zum Beispiel: 6… O-O-O 7. O-O Sf6 8. c4 Df5 9. h3 die schwarze Damenstellung gibt zu Besorgnissen Anlass.) (Aber wahrscheinlich hätte der Nachziehende (nach 6. Le2 O-O-O 7. O-O ) zu dem phantastisch wirkenden Manöver 7… f6 8. c4 Dh5 9. Sc3 Df7 gegriffen, seine Position wäre aber auch in diesem Falle nur schwer zu verteidigen gewesen.) 6… O-O-O 7. Ld3 Fein gedacht! Er verzichtet hiermit auf die naheliegende Angriffswendung Bc4 (nebst Qe2 und 0-0-0), um die feindliche Dame stattdessen völlig unbehelligt zu lassen. Die Anwesenheit der Dame auf d5 schien ihm nicht unerwünscht, der Vorstoß e6-e5 könnte nämlich in diesem Falle stets durch c4 nebst d5 mit Tempo zurückgewiesen werden. 7… Sf6 8. O-O h6 9. c3 g5 Um den Nf3 von der Richtung e5 abzudrängen, gleichzeitig wird die Entwicklung des Läufers nach g7 geplant. 10. c4 (Dieser Vorstoß ist jetzt mindestens ebenso zweischneidig wie jemals zuvor; die feindliche Dame gelangt nun zwar auf etwas ungewöhnliche Felder, die sich jedoch als nicht schlecht erweisen. - Das aus dem 9. Zuge logisch resultierende Verfahren bestand vielmehr in 10. b4 . Die Folge könnte etwa sein: 10… g4 11. Se1 Dh5 12. b5 Se7 (nicht zuerst noch 12… Ld6 , weil 13. g3 und c4 den Läufer ins Gedränge bringen würde) 13. c4 Sf5 14. c5 Sd5 mit Chancen und Gegenchancen. Nach dem Textmanöver gelangt Weiß überraschend schnell ins Hintertreffen.) 10… Dd6 11. c5 De7 12. Sc4 (Da Schwarz im Begriffe steht, weißfeldriges Terrain zu erobern, hätte auch die Richtung des Widerstandes weißfeldrig betont sein sollen, also 12. Lb5!) 12… Sd5 13. Sfe5 (Und hier wäre das Opferangebot 13. b4 vorzuziehen gewesen. Nach 13… Scxb4 14. Tb1 dürfte der weiße Angriff nicht unterschätzt werden, zumal er Hand in Hand mit "Blockierung" zu gehen scheint.) 13… Lg7 14. Te1 Sxe5 15. Sxe5 Lxe5 16. dxe5 Lc6 Jetzt hingegen ist der Anziehende eine "weißfeldrige" Ruine. Man beachte die Selbstverständlichkeit, mit der das übrige sich vollzieht. 17. Dc1 Sf4 18. Lf1 Sd3 19. Lxd3 Txd3 20. b4 Dd7 21. Dc4 Td8 22. a3 La4 23. Teb1 Lb5 24. Dc2 Dd5 25. Te1 g4 26. De2 h5 27. a4 Lc4 28. Dc2 h4 29. De2 Td4 30. Db2 Td3 31. De2 Tg8 32. Kh1 h3 Diese nun auf g2 entstehende neue weißfeldrige Schwäche schließt sich den alten auf c6 d5 b5 d3 usw. würdig an. Sie schlägt dem (weißfeldrigen) Fass den Boden aus. Es folgte noch 33. Tg1 hxg2+ 34. Txg2 Ta3 35. De1 Txa1 36. Dxa1 Df3 37. Kg1 Td8 Aufgegeben. 0–1