Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 28
1. c4 Sf6 2. Sc3 c5 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. d3 O-O 6. Ld2 e6 Ich fürchte nicht das Drohspiel Qc1 nebst Bh6 und unterlasse daher das ideenarme h7-h6 nebst Kh7 oder dergleichen. 7. Dc1 d5 8. Sh3 (Entschieden eine Idee! Er gedenkt durch Nf4 eine Entscheidung im Zentrum zu erzwingen. Auf 8. Lh6 d4 9. Sd1 Da5+ will sich Weiß dagegen mit Recht nicht einlassen.) 8… d4 9. Sa4 Sa6 10. a3 De8 11. b3 e5 12. Sb2 Lg4 (Um ihn an der Rochade zu hindern, trotzdem war 12… Lf5 besser, wie ich jetzt glaube. In der Partie war das aber schwer zu erkennen.) 13. Sg5 Sehr geschickt gespielt. Er verwertet den Springer um Punkt e4 herum, entzieht ihn gleichzeitig dem Angriff des Läufers und ist somit bereit, den Vorstoß am äußersten Damenflügel nachdrücklich fortzusetzen. Mit anderen Worten: Im Zentrum sucht Weiß dem drohenden Vorstoß e5-e4 mehr "passiv" entgegenzuwirken, diesem passiven Verteidigungsspiel wird aber am äußersten Damenflügel ein scharfes Angriffsspiel angebaut. (Vergleiche Vorbesprechung.) 13… Tb8 14. b4 b6 15. b5 Sc7 16. a4 Lc8! Um den Bg2 zu tauschen. 17. a5 Lb7 18. f3 (Einfacher wäre 18. Lxb7 Txb7 19. axb6 axb6 20. O-O Die a-Linie wäre zwar nicht unmittelbar von Belang, hätte aber immerhin ständige Bewachung durch den Gegner erfordert und somit Truppen vom Königsflügel wegzuziehen geholfen.) 18… Se6 19. a6 (Noch vor wenigen Monaten hielt ich dieses Abschließen für spielbar, heute aber glaube ich, dass die von nun an ausschließlich in passiver Resistenz beruhende weiße Verteidigung früher oder später zusammenbrechen muss. 19. axb6 sollte geschehen.) 19… La8! Er stellt ihn in die Ecke, wo er zugtot ist, hofft aber auf den Durchbruch durch e4 (nach Vorbereitung). 20. h4 Eine weitere Schwächung; verhältnismäßig besser war Nb2-d1-f2, um dem Vorstoß e4 schon jetzt entgegenzuwirken (= Präventivtaktik, die aber doch nicht genutzt hätte; die weiße Verteidigung ist zu passiv). 20… Sh5 21. Sxe6 Dxe6 22. g4 Sf6 (Hier kam das Bauernopfer durch 22… Sf4 23. Lxf4 exf4 24. Dxf4 Le5 25. Dd2 Dd6 nebst Bf4 in Betracht.) 23. Lh3 Dd6 24. Sd1 h5 25. g5 Sh7 26. Sf2 f6 27. gxf6 (Etwas besser wäre hier 27. Tg1 auf 27… fxg5 wäre dann 28. hxg5 gefolgt, und Weiß behielt seinen Läufer d2 zum Schutze des Einbruchspunktes f4, was in der Partiefortsetzung nicht der Fall ist. Auf 27. Rg1 wäre allerdings f5 gefolgt, und Schwarz bringt alle Figuren in Kontakt mit e4, zum Beispiel: den Springer über f8 e6 c7 e8 nach d6; die Dame stände am besten auf c7, die Türme in der e-Linie. Und schließlich erfolgt der Durchbruch e5-e4 mit entscheidender Wirkung.) 27… Lxf6 28. Lg5 Lxg5 29. hxg5 Tf4! Vergleiche den ersten Teil der vorigen Anmerkung. 30. Tg1 Tbf8 (Armselig wäre der Bauerngewinn durch 30… De7 31. Dd2 Sxg5 32. O-O-O) 31. Lf1 Th4! (Verhindert 31… Th4 32. Sh3 wegen der Möglichkeit 32… e4! 33. dxe4 Dh2 mit Figurengewinn.) 32. Dd2 Th2! 33. Tg2 Erzwungen. Der Rh2 drückt allzu stark. 33… Txg2 34. Lxg2 e4! Die Pointe der Turmtauschkombination. 35. dxe4 Dg3 Der Durchbruch ward zum Einbruch. 36. Kf1 (Falls 36. Lf1 so 36… Lxe4) 36… Sxg5 37. Kg1 (Falls 37. Sh1 so 37… Sxe4 38. Sxg3 Sxd2+ nebst Nxc4 und der eingekapselte Läufer a8 hat das Feld d5 zur Disposition.) 37… Txf3 (Hier überlegte ich etwa 20 Minuten, ob nicht 37… h4 schneller gewönne. Indes folgt nach (37. ... h4) 38. Sh1 Sh3+ 39. Kf1 Dh2 40. Lxh3 Dxh1+ 41. Kf2 Dxa1 der Angriff (Aber 41… Dxh3 42. Tg1 Dh2+ 43. Tg2 Df4 hätte auch leicht gewonnen.) 42. Dh6 mit für Schwarz unangenehmen Verwicklungen.) 38. Dxg5 Dxg5 39. exf3 De3 40. Td1 Db3 41. Tc1 g5 42. Kh2 De3 43. Tf1 De2 44. Sh3 d3 45. Sf2 d2 46. Kg1 Dxc4 47. Td1 Dc1 48. Lh3 g4 49. fxg4 Lxe4 Endlich kommt der Läufer heraus. 50. gxh5 Lf3 Aufgegeben. 0–1