Aus dem Buch «Die Praxis meines Systems» von Aaron Nimzowitsch
Partie 8
1. e4 e6 2. d4 d5 3. e5 c5 4. c3 Sc6 5. Sf3 f6 (Strategisch verfehlt, Bauernketten dürfen nur von der Basis aus - hier d4 - angegriffen werden. Richtig war demgemäß 5… Db6 6. Le2 cxd4 7. cxd4 Ld7 mit Druck gegen d4.) 6. Lb5 Ld7 7. O-O Db6 (Nicht 7… Sxe5 wegen 8. Sxe5 Lxb5 9. Dh5+ Ke7 10. Df7+ Kd6 11. dxc5+! Kxe5 12. Te1+ Kf5 13. Dh5+ g5 14. g4#) 8. Lxc6 bxc6 9. exf6 Sxf6 (Hier hätte ich 9… gxf6 vorgezogen.) 10. Se5 Ld6 11. dxc5 Lxc5 12. Lg5! Dieser Zug, der zu einer völligen Blockierung des schwarzen Bauernzentrums führt, bildet die Pointe der weißen Spielweise, Zug 8-12. 12… Dd8 13. Lxf6 Dxf6 14. Dh5+ g6 15. De2 Td8 16. Sd2 O-O 17. Tae1 Tfe8 18. Kh1 Ld6 19. f4 c5 20. c4 Nach 20. c3-c4 Bd6-f8 verliert Schwarz einen Bauern, aber dieser Verlust ist eher angenehm, denn nun kommen die Läufer zu Wort, und Weiß wird es nicht leicht haben, sein auf Blockade eingestelltes Spiel plötzlich umzustellen. (20. Da6 Lb8 (oder 20… De7 21. Sdf3! und Weiß droht je nach den Umständen, Qxa7 oder Ng5 folgen zu lassen.) 21. Sb3 De7 22. Sa5) 20… Lf8 Die Brücke zwischen dem immer ein wenig hinterhältigen Blockierungsspiel einerseits und einem dem Gegner offen ins Auge schauenden Angriffsspiel andererseits ist nie leicht geschlagen. Heute glaube ich, dass dies vielleicht am ehesten durch 20. Qa6 zu erreichen gewesen wäre, zum Beispiel: (siehe Anmerkungen nach 20. c4) 21. cxd5 Lc8 22. Se4 Dg7 23. dxe6 (Mittels 23. d6! war die Notwendigkeit der Umstellung vermieden, aber ich wollte das Bauernopfer "auskosten". Der Zug 23. d6 hätte leicht gewonnen.) 23… Lxe6 24. Da6 Kh8 25. Td1 Lg8 26. b3 Td4! 27. Txd4 cxd4 28. Da5 Weiß hütet sich davor, durch eine etwaige Springerdiversion (Ng5) die mächtigen Läufer zu reizen. Mit dem Textzuge verhindert er Rd8, gestattet aber die Besetzung der c-Linie. Der Kampf gestaltet sich nun recht dramatisch. 28… Tc8 29. Td1 Tc2 30. h3 Db7 31. Txd4 Lc5 Nun scheint der schwarze Angriff übermächtig zu werden. 32. Dd8!! Mit der überraschenden Pointe 32. ... Bxd4 33. Qxd4 (siehe Anmerkungen nach 32. ... Bxd4) 32… Le7 (32… Lxd4 33. Dxd4 Dg7 (sonst schlimmeres) 34. Sd6!! und 35. Ne8 mit sofortigem Gewinn. Ist nun, so frage ich, diese Rettung als eine sich mehr zufällig ergebende anzusprechen? Nein, denn der ganze Vorgang ist typisch. Hat dein Gegner es verstanden, durch ein Bauernopfer deine zentrale Blockierung gegenstandslos zu machen, so bleibe hübsch im Zentrum und warte auf eine sich darbietende Gelegenheit, eine zentrale Blockierungsschräge zur Basis eines Rückopfers machen zu können. Dieses Rückopfer wird dann entscheidend wirken.) 33. Dd7 Da6 34. Td3 Um Qd4 zu spielen. Wiederum die Blockierungsschräge d4-h8! 34… Lf8 35. Sf7+ Lxf7 (Oder 35… Kg7 36. Dd4+! nebst matt in zwei Zügen.) 36. Dxf7 Tc8 Völlige Deroute. 37. Td7 Diese Partie besteht aus zwei Teilen: I. Überraschend durchgeführte Zentral-Blockierung. II. Interessante Abwehr eines gegnerischen Versuches, die Blockade gewaltsam in die Luft zu sprengen. Der erste Teil der Partie war zur Zeit, da sie gespielt ward, Neuland, der zweite ist es noch heute. 1–0