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Farbkomplex: schwache Felder einer Farbe
Auf einen Blick
Ein Farbkomplex ist die Gruppe aller Felder einer Farbe, etwa der weissen Felder. Sind viele davon schwach, kann der Gegner dort seine Figuren festsetzen. Aaron Nimzowitsch zählt die Schwäche eines solchen Felderkomplexes zu seinen drei revolutionären Thesen. Am Brett hilft dir die Idee, gegnerische Schwächen als zusammenhängende Gruppe zu sehen und zu nutzen.
Kurz erklärt
Stell dir vor, dein Gegner hat seinen Läufer für die weissen Felder getauscht. Seine Bauern stehen auf schwarzen Feldern. Dann bewacht kaum noch etwas die weissen Felder, und deine Figuren finden dort sichere Plätze. Alle Felder einer Farbe zusammen nennt man einen Farbkomplex.
Im Nachtrag zu «Mein System» nennt Nimzowitsch drei revolutionäre Thesen. Die dritte betrifft schwache Felder einer Farbe; gegen einen solchen geschwächten Komplex vorzugehen, lohne sich oft. Er nennt ihn Felderkomplex von bestimmter Farbe; das Wort Farbkomplex fehlt in seinen Texten im Archiv. Mit den drei Thesen seien die Bausteine der später hypermodern genannten Schule beisammen, schreibt er.
Nimzowitsch beansprucht, die Bedeutung dieses Spiels früh erkannt zu haben. Als Beispiel nennt er seine Eröffnung gegen Tarrasch von 1912: Nach einem Läufertausch spielte er gegen die schwachen weissen Felder. In einem Aufsatz zu Laskers sechzigstem Geburtstag nennt er die Lehre zwar neu. Lasker habe aber schon Jahrzehnte früher wunderbare Partien dieser Art gespielt.
In «Die Praxis meines Systems» widmet Nimzowitsch dem Thema einen eigenen Abschnitt. Typisch für die moderne Meisterpartie sei, dass die Schwächen einer Seite alle dieselbe Farbe haben. Auch Zentralisierung und Hemmung spielen sich oft auf Feldern einer Farbe ab. Die zwei Schwächen, gegen die man laviert, haben fast immer dieselbe Farbe.
Beginne mit der Partie Brinckmann gegen Nimzowitsch, Kolding 1923. Dort opfert Schwarz einen Bauern, damit der weisse Läufer für die weissen Felder abgetauscht wird. Danach sind diese Felder schwach. Lektion 15 zeigt, wie ein Tausch einen wichtigen Verteidiger beseitigt, Lektion 29 das Lavieren gegen eine Schwäche.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Woher die Schwäche kommt
Oft beginnt es mit einem Tausch. Verschwindet der Läufer, der die Felder einer Farbe bewacht, fehlt dort der wichtigste Wächter. So war es in Nimzowitschs Eröffnung gegen Tarrasch und in der Partie gegen Brinckmann.
Auch eine zerrissene Bauernstellung neigt dazu. Beim isolierten Damenbauern zeigt Nimzowitsch, wie im Endspiel auch Felder einer Farbe rund um den Bauern schwach werden.
Wie du dich verteidigst
Für den Verteidiger nennt Nimzowitsch drei Wege. Erstens kann er auf der anderen Farbe Gegenspiel suchen. Das liege aber eher einem reinen Angriffsspieler. Solche Stellungen klären sich schwer, weil kaum Figuren getauscht werden.
Zweitens kann er versuchen, die verlorenen Felder zurückzuerobern; das nennt Nimzowitsch eine gesunde Strategie. Drittens kann er früh vorbeugen, damit der Gegner auf diesen Feldern gar nicht erst zu stark wird. Diesen dritten Weg zieht Nimzowitsch vor.
Heute betrachtet
Heute spricht man meist von schwachen weissen oder schwarzen Feldern oder kurz von einem schwachen Farbkomplex. Die Idee gehört bis heute zum Grundwissen des Positionsspiels. Ob eine solche Schwäche entscheidet, zeigt aber erst die konkrete Stellung.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: Nachtrag, 2. Die revolutionären Thesen Originaltext noch nicht veröffentlicht
Die drei revolutionären Thesen; die dritte betrifft die Schwäche eines Felderkomplexes von bestimmter Farbe.
- Mein System: Nachtrag, 1. Die allgemeine Lage der Dinge vor 1911 Originaltext noch nicht veröffentlicht
Rückblick auf die Zeit vor 1911; Nimzowitsch nennt seine Eröffnung gegen Tarrasch von 1912 als Spiel gegen schwache weisse Felder.
- Die Praxis meines Systems: 6.7 Der schwache Felderkomplex von bestimmter Farbe Originaltext noch nicht veröffentlicht
Der schwache Felderkomplex von bestimmter Farbe in der modernen Meisterpartie und drei Wege der Verteidigung.
- Die Praxis meines Systems: Partie 46 (Originaltext)
Brinckmann gegen Nimzowitsch: ein Bauernopfer, damit der weisse Läufer getauscht wird und die weissen Felder schwach werden.
- Mein System: II. Teil, 3a Der isolierte Damenbauer Originaltext noch nicht veröffentlicht
Der isolierte Damenbauer; im Endspiel können auch die weissen Felder um ihn herum schwach werden.
- Aufsätze: Laskers allumfassender Spielstil Originaltext noch nicht veröffentlicht
Aufsatz zu Laskers sechzigstem Geburtstag; Lasker habe schon früh Partien gegen schwache Felder einer Farbe gespielt.