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Tempo: ein Zug als Zeit

Auf einen Blick

Ein Tempo ist ein Zug, als Zeit betrachtet. Du gewinnst ein Tempo, wenn dein Zug etwas leistet und der Gegner einen Zug verschwenden muss. Aaron Nimzowitsch zeigt in «Mein System», wie man in der Eröffnung Tempi gewinnt und verliert. Am Brett hilft dir das, deine Figuren schneller ins Spiel zu bringen als dein Gegner.

Kurz erklärt

Nimzowitsch vergleicht die Eröffnung mit einem Wettrennen. Wer unterwegs stehen bleibt, verliert Zeit. Im Schach ziehen beide Seiten abwechselnd, und jeder Zug ist ein Schritt. Diesen Schritt nennt man ein Tempo.

Den typischen Tempogewinn zeigt er nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3. Der Springer kommt ins Spiel und greift zugleich die Dame an. Die Dame muss noch einmal ziehen. So kommt Weiss voran, Schwarz aber nicht.

Oft geht dem Tempogewinn ein Tausch voraus. Der Gegner muss zurückschlagen, und die zurückschlagende Figur steht danach ungünstig. Dann greifst du sie an und gewinnst Zeit. Ein Schach dazwischen unterbricht diesen Plan nur, zeigt Nimzowitsch an einem Beispiel.

Tempi kann man zählen. In einem Beispiel zählt Nimzowitsch fünf weisse Tempi. Es sind zwei Springer, ein Turm, der Bauer in der Mitte und der König nach der Rochade. Auch ein sicherer König zählt für ihn als Tempo.

Beginne mit Lektion 9, dort entwickelst du eine Figur mit Angriff. Lektion 10 zeigt den sicheren König als Tempo. In Nimzowitsch gegen Alapin siehst du, was ein Bauernraub kostet. In Lee gegen Nimzowitsch folgt auf einen Tausch ein Tempogewinn.

Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.

Wie Tempi verloren gehen

Zieht eine Figur mehrmals, schluckt sie Tempi. Wird sie dann gegen eine frisch entwickelte Figur getauscht, sind diese Tempi verloren. Nimzowitsch vergleicht das mit einem Landwirt, der mit seinem Ferkel auch das ganze Futter dafür verliert.

In Nimzowitsch gegen Tarrasch zieht ein schwarzer Läufer von f8 über c5 nach b4. Dort wird er getauscht. Nimzowitsch bemerkt, wie viel kostbare Zeit Schwarz damit verloren hat.

Zum Bauernraub ist keine Zeit

In der Eröffnung ist die Entwicklung das wichtigste Geschäft. Wer mit unfertiger Entwicklung einen harmlosen Bauern schlägt, verliert Tempi. Nimzowitsch rät darum, in dieser Phase nicht auf Bauerngewinn zu spielen.

Eine Ausnahme nennt er selbst. Einen Bauern in der Mitte darfst du nehmen, wenn das ohne grosse Gefahr geht. Der Gewinn im Zentrum ist ihm ein Tempo wert, denn er bringt Raum für die eigenen Figuren.

Heute betrachtet

Die frühe Dame nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 wird heute noch gespielt. Schwarz zieht sie dann meist auf ein sicheres Feld zurück und holt die Entwicklung nach. Ein verlorenes Tempo ist also kein fester Preis: Es zählt, ob dein Gegner die Zeit nutzen kann.

Im Endspiel kann ein Zug sogar schaden. Dann möchtest du die Pflicht zu ziehen lieber dem Gegner geben. Mehr dazu erklärt der Artikel über den Zugzwang.

Wo du es bei Nimzowitsch findest

  • Mein System: I. Teil, 1.3 Der Entwicklungsvorsprung als Ideal (Originaltext)

    Der Entwicklungsvorsprung als Ziel der Eröffnung und der typische Tempogewinn nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3.

  • Mein System: I. Teil, 1.4 Abtausch nebst nachfolgendem Tempogewinn Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Der Abtausch mit nachfolgendem Tempogewinn, das Schach als Zwischenspiel und das Zählen der Tempi.

  • Mein System: I. Teil, 1.7 Vom Bauernraub in der Eröffnung. Zum Bauernraub sei keine Zeit. Die besondere Hochachtung vor dem Zentralbauern und worin diese sich äußert Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Warum in der Eröffnung keine Zeit für Bauernraub bleibt.

  • Mein System: I. Teil, 1.7a. Nimm jeden Zentralbauern, wenn solches ohne größere Gefahr geschehen kann! Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Die Ausnahme: Ein Bauer in der Mitte ist ein Tempo wert, wenn sein Gewinn ohne grosse Gefahr möglich ist.

  • Mein System: I. Teil, Partie-Beispiele zu den ersten drei Kapiteln (Originaltext)

    Partien zu den ersten drei Kapiteln, darunter Nimzowitsch gegen Alapin, Lee gegen Nimzowitsch und Nimzowitsch gegen Tarrasch.