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Angriffsmarke: ein Bauer als Ziel
Auf einen Blick
Eine Angriffsmarke ist ein gegnerischer Bauer, gegen den du einen eigenen Bauern vorschickst, um eine Linie zu öffnen. Aaron Nimzowitsch übernimmt das Wort in «Mein System» von Tarrasch. Er zeigt, wie ein Bauernzug des Verteidigers eine solche Marke schafft. Am Brett hilft dir die Idee, für einen Bauernvorstoss ein lohnendes Ziel zu finden.
Kurz erklärt
Stell dir vor: Schwarz hat kurz rochiert und den Bauern h7 nach h6 gezogen. Weiss schickt nun den g-Bauern gegen h6 vor. Kommt es zum Tausch, schlägt eine weisse Figur zurück, und die g-Linie ist offen. Den Bauern h6, auf den der Vorstoss zielt, nennt man Angriffsmarke.
Nimzowitsch zeigt dieses Bild im Kapitel über die offene Linie. Der Zug nach h6 war dort schlecht, schreibt er, weil Weiss so den eigenen g-Bauern schnell loswird. Geöffnet wird nach ihm stets die Linie neben der Angriffsmarke. Eine eigene Figur, die danach im Weg steht, stört kaum: Eine Figur zieht leicht weiter, ein Bauer nicht.
Der Verteidiger hat Gegenmittel. Eine Figur, die den Vorstoss bremst, muss der Angreifer zuerst vertreiben oder abtauschen. Als letztes Mittel kann der angegriffene Bauer am anrückenden Bauern vorbeiziehen. Das geht aber nur, wenn er auf dem neuen Feld gedeckt ist.
Ein Angriffsziel soll nach Nimzowitsch zuerst unbeweglich sein. Beim Vorposten erwähnt er, wie ein eigener Bauer hilft, eine Angriffsmarke festzulegen. Im Kapitel über die Bauernkette fällt das Wort nicht, doch der Gedanke ist ähnlich. Dort legt ein Kettenbauer die Basis fest, ein anderer Bauer greift sie an, und die Türme warten.
Lektion 11 zeigt dir offene Linien, Lektion 20 den Angriff eines Bauern auf die Basis einer Kette. In Lee gegen Nimzowitsch rücken die schwarzen Bauern am Königsflügel gemeinsam vor, um den weissen Bauern g2 freizulegen. Das Wort Angriffsmarke verwendet Nimzowitsch dort nicht.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Tarrasch, Steinitz und die Furcht vor Bauernzügen
Wer hat den Begriff geprägt? In «Mein System» nennt Nimzowitsch Tarrasch als den, der ihm den Namen gab. In seinem Aufsatz «Steinitz, Tarrasch, ich und … Alapin!» zählt er sie dagegen zu den neuen Begriffen von Steinitz. Welche Angabe genauer ist, lässt sich aus dem Archiv nicht entscheiden.
Im selben Aufsatz fasst er eine Lehre von Tarrasch zusammen. Wer am Königsflügel verteidigt, soll dort keinen Bauern ziehen, sonst bekomme der Gegner eine Angriffsmarke. Im Nachtrag zu «Mein System» wendet er sich gegen eine solche formale Sicht. Entscheidend sei der innere Wert der Stellung, den das Bauerngerüst bestimmt.
In «Die Praxis meines Systems» klagt er, viele Verteidiger fürchteten eine Angriffsmarke im eigenen Lager zu sehr. Er sieht darin einen Rest der alten, formalen Denkweise.
Heute betrachtet
Auch heute gilt ein vorgerückter Bauer vor dem rochierten König oft als Ziel für einen gegnerischen Bauernsturm. Den Bauernzug, der einen gegnerischen Bauern angreift, nennt man heute meist Hebel. Ob eine Angriffsmarke wirklich schadet, zeigt aber erst die konkrete Stellung.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Mein System: I. Teil, 2.2 Die Entstehung (Geburt) der offenen Linie. Auf friedlichem Wege. Durch kriegerisches Vorgehen. Die Angriffsmarke (Originaltext)
Wie eine offene Linie entsteht; der Vorstoss gegen die Angriffsmarke, ein Begriff von Tarrasch, am Beispiel eines Bauern auf h6.
- Mein System: I. Teil, 2.6 Der Vorposten. Der Angriffsradius. Das Märlein von der Zeitschrift. Womit besetzt man den Vorposten in einer Mittellinie und womit den in einer Randlinie? Der Rollentausch und was dieser beweise Originaltext noch nicht veröffentlicht
Der Vorposten auf der offenen Linie; nebenbei hilft ein eigener Bauer, eine Angriffsmarke unbeweglich zu machen.
- Mein System: I. Teil, 9.1 Allgemeines und Definitionen. Die Basis der Bauernkette. Die Idee der beiden getrennten Kriegsschauplätze Originaltext noch nicht veröffentlicht
Kette und Basis; die Basis wird zuerst festgelegt und dann mit einem Bauern angegriffen.
- Mein System: Nachtrag, 2. Die revolutionären Thesen Originaltext noch nicht veröffentlicht
Die drei revolutionären Thesen und die Kritik an einer formalen Sicht auf Elemente wie die Angriffsmarke.
- Die Praxis meines Systems: 6.9 Die heroische Verteidigung Originaltext noch nicht veröffentlicht
Über die heroische Verteidigung; Nimzowitsch klagt, dass Verteidiger eine Angriffsmarke im eigenen Lager zu sehr fürchten.
- Aufsätze: Steinitz, Tarrasch, ich und … Alapin! Originaltext noch nicht veröffentlicht
Aufsatz über Steinitz, Tarrasch und Alapin; die Angriffsmarke erscheint unter den Begriffen von Steinitz und in einer Lehre von Tarrasch.