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Flügelangriff: zuerst die Mitte sichern

Auf einen Blick

Flügelangriff nennt man einen Angriff am Damenflügel oder am Königsflügel, also an einer Seite des Bretts. Aaron Nimzowitsch gab dazu eine Regel: Greif am Flügel nur an, wenn deine Mitte fest steht. Am Brett hilft dir das bei zwei Fragen: Darf ich jetzt am Rand angreifen? Und wie antworte ich auf einen gegnerischen Flügelangriff?

Kurz erklärt

Aus Sicht von Weiss liegt links der Damenflügel und rechts der Königsflügel. Greifen dort Bauern oder Figuren an, spricht man von einem Flügelangriff. Ziel ist oft der König oder eine Schwäche. Nimzowitsch sagt dafür auch Flankenangriff oder Diversion.

Zu seinen Hauptgrundsätzen zählt Nimzowitsch: Ein Flügelangriff ist nur richtig, wenn das eigene Zentrum gesichert ist. Steht die Mitte fest, darfst du am Flügel sogar Angriffe mit noch unklarem Ziel wagen. Wackelt sie, kann der Gegner in der Mitte zurückschlagen.

Darum antwortest du auf einen Flügelangriff oft am besten in der Mitte. Nimzowitsch schreibt sinngemäss: Ein stark zentralisiertes Spiel lässt sich durch einen Flügelangriff allein nicht umwerfen. Besonders eine offene Linie in der Mitte bremst den Angreifer. Seine Türme müssen dann die eigenen hinteren Reihen vor einem Einbruch schützen.

Nimzowitsch erfuhr das selbst. In San Sebastián 1912 schickte er gegen Rubinstein früh einen Springer Richtung Königsflügel. Rubinstein antwortete über die d-Linie, und Nimzowitsch verlor die Partie und den ersten Preis.

Beide Flügel hängen oft zusammen. Wer am einen Flügel eine Schwäche angreift, lockt manchmal am anderen eine zweite hervor. In einer Bauernkette überträgst du den Angriff manchmal auf das nächste Glied, näher am gegnerischen König. Beides erklären die Artikel «Lavieren» und «Bauernkette» genauer.

Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.

Beispiele von Nimzowitsch

Gegen Yates 1923 begann Nimzowitsch früh einen Angriff am Damenflügel, weil er sein Zentrum für fest hielt. Nach einem eigenen verfehlten Tausch wurde die Mitte schwächer. Nun wirke derselbe Angriff nur noch hilflos, schreibt er.

Gegen von Scheve 1907 griff Schwarz früh mit Bauern am Königsflügel an. Nimzowitsch machte die d-Linie in der Mitte aktiv, und der Angriff scheiterte. Ist die Mitte offen, hat ein Flügelangriff nach seinem Urteil kaum Aussicht.

Gegen Tartakower 1927 ging Nimzowitsch Schritt für Schritt vor. Zuerst stellte er seine Figuren stark in die Mitte. Erst danach baute er einen Angriff am Damenflügel an.

Zum Nachspielen

In Lektion 25 antwortest du in einer Partie von Rubinstein in der Mitte auf einen Flügelangriff. Lektion 42 zeigt, wie ein Angriff am einen Flügel eine neue Schwäche am anderen schafft.

Heute betrachtet

Trainer geben Nimzowitschs Regel bis heute weiter. Auf einen Flügelangriff antwortet man oft mit einem Gegenstoss in der Mitte. Ein Gesetz ohne Ausnahme ist das aber nicht. Haben die Könige auf verschiedenen Seiten rochiert, entscheidet oft, wessen Angriff schneller ist.

Wo du es bei Nimzowitsch findest

  • Mein System: I. Teil, 9.6 Die Übertragung des Angriffes Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Wie man den Angriff in einer Bauernkette auf die nächste Basis überträgt, näher am gegnerischen König.

  • Mein System: II. Teil, 1.6 Worin hat das Leitmotiv der wahren Strategie zu bestehen? Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Zentrum gegen Flügel: Eine beherrschte Mittellinie lässt Flankenangriffe meist scheitern, auch Nimzowitschs eigenen gegen Rubinstein.

  • Mein System: II. Teil, Partien zum 1. Kapitel Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Partien zum Kampf von Mittellinie und Zentrum gegen einen Flankenangriff, darunter Rubinstein gegen Löwenfisch.

  • Mein System: II. Teil, 5. Kapitel - Das Lavieren gegen eine feindliche Schwäche. Der kombinierte Angriff an beiden Flügeln. Besteht zwischen eben angedeuteten zwei Stratagemen eine gewisse Wahlverwandtschaft? Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Der kombinierte Angriff an beiden Flügeln: Das Spiel gegen eine Schwäche lockt am anderen Flügel neue hervor.

  • Mein System: II. Teil, Partie 35 Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Partien zum 5. Kapitel; bei Partie 37 nennt Nimzowitsch seinen Grundsatz, dass ein Flankenangriff ein gesichertes eigenes Zentrum braucht.

  • Die Praxis meines Systems: 6.3 Zentrum und Flügelspiel Originaltext noch nicht veröffentlicht

    Zentrum und Flügelspiel: Was eine feste Mitte ist und wann sie auch ungewöhnliche Flügelangriffe erlaubt.