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Kleines, aber festes Zentrum: wenig Raum, sicherer Halt
Auf einen Blick
Ein kleines, aber festes Zentrum besteht aus wenigen Bauern in der Mitte, die wenig Raum gewinnen, aber sicher stehen. Aaron Nimzowitsch zeigt in «Die Praxis meines Systems», dass auch so eine Mitte gut zu verteidigen ist. Steht deine Mitte fest, darfst du nach seiner Lehre am Flügel angreifen. Der Angriff stützt sich dann auf das Zentrum.
Kurz erklärt
Schau auf die Bauern in der Mitte. Manchmal stehen dort viele Bauern weit vorn und nehmen dem Gegner Platz weg. Manchmal stehen dort nur zwei Bauern, etwa auf d6 und e6, kaum vorgerückt. Auch so eine kleine Mitte kann sehr fest sein.
Fest heißt: Der Gegner kann diese Bauern nicht leicht aufbrechen. Auf die Zahl kommt es laut Nimzowitsch nicht an, auch nicht darauf, wie weit sie vorn stehen. Die Mitte muss nur gesund sein und sich verteidigen lassen.
Daraus leitet Nimzowitsch eine Regel ab. Steht deine Mitte fest, darfst du am Flügel angreifen, selbst wenn das Ziel noch nicht ganz klar ist. Wird deine Mitte aber schwach, verliert derselbe Angriff seinen Halt. Dann solltest du zuerst deine Stellung festigen.
Mit einem kleinen Zentrum stehst du oft eng. Nimzowitsch nennt zwei Fähigkeiten, die du dann brauchst: Vorbeugung und geschicktes Umstellen der Figuren im eigenen Lager. Er zählt das kleine Zentrum zur hypermodernen Schule. Die Spieler der älteren Schule, meint er, wären darin erstickt, weil sie viel Raum brauchten.
Lektion 25 zeigt die Gegenseite: Gegen eine starke Mitte bringt ein Angriff am Flügel allein wenig. Lektion 21 übt die Vorbeugung. In Yates gegen Nimzowitsch greift Schwarz mit fester Mitte am Damenflügel an. In Jacobsen gegen Nimzowitsch steht er lange eng und stellt seine Figuren geduldig um.
Zusammengefasst von der Redaktion in eigenen Worten. Das ist kein Zitat.
Zwei Arten von Flügelangriff
Nimzowitsch unterscheidet zwei Fälle. Im ersten liegt der Angriff weit weg von der Mitte und verfolgt ein eigenes Ziel. Die feste Mitte gibt ihm Rückhalt.
Im zweiten Fall liegt der Angriff nahe bei der Mitte. Er soll vor allem das eigene, etwas eingeklemmte Zentrum befreien. Solche Stellungen nennt Nimzowitsch Paulsen-Stellungen; zu seiner Zeit kamen sie oft in Sämischs Partien vor.
Was heute gilt
Dass auch ein enger, aber gesunder Aufbau gut zu verteidigen ist, sieht man heute ebenso. Ob ein Flügelangriff sich lohnt, prüfst du aber immer am konkreten Brett. Frag dich zuerst, ob deine Mitte wirklich hält.
Wo du es bei Nimzowitsch findest
- Die Praxis meines Systems: 6.4 Das kleine aber feste Zentrum Originaltext noch nicht veröffentlicht
Das kleine aber feste Zentrum als Stütze für Flügelangriffe, mit Prophylaxe und Manövern im eigenen Lager als wichtigsten Fähigkeiten.
- Die Praxis meines Systems: 6.3 Zentrum und Flügelspiel Originaltext noch nicht veröffentlicht
Zentrum und Flügelspiel: Flügelangriffe nur bei fester eigener Mitte, und auch eine eingeschränkte Mitte gilt als fest.
- Die Praxis meines Systems: 6. Streifzüge durch hypermodernes Alt- und Neuland Originaltext noch nicht veröffentlicht
Einleitung zum Abschnitt mit der Frage, was Nimzowitsch unter einer festen Zentralstellung versteht und was nicht.
- Die Praxis meines Systems: Partie 85 (Originaltext)
Yates gegen Nimzowitsch: ein Flügelangriff bei fester Mitte, der nach einem Fehler im Zentrum seinen Halt verliert.
- Die Praxis meines Systems: Partie 90 (Originaltext)
Jacobsen gegen Nimzowitsch: Schwarz fühlt sich in seiner engen Stellung wohl und stellt seine Figuren im eigenen Lager um.
- Mein System: II. Teil, Partien zum 1. Kapitel Originaltext noch nicht veröffentlicht
Partien zum Positionsspiel, darunter die Bemerkung, dass ein Flankenangriff allein ein stark zentralisiertes Spiel nicht besiegt.